Bamberg Seehofers Neuaufstellung dient der Disziplinierung möglicher Nachfolger

Bamberg. CSU-Chef Horst Seehofer lobt sich seit jeher gerne selbst für Weitsicht, Klarheit und Mut. Auf dem kleinen CSU-Parteitag in Bamberg stellt er den 400 Zuhörern am Wochenende eine Idee vor, die zeigen soll, wie weit er tatsächlich in die Zukunft denkt.
23.03.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Carsten Hoefer

CSU-Chef Horst Seehofer lobt sich seit jeher gerne selbst für Weitsicht, Klarheit und Mut. Auf dem kleinen CSU-Parteitag in Bamberg stellt er den 400 Zuhörern am Wochenende eine Idee vor, die zeigen soll, wie weit er tatsächlich in die Zukunft denkt. Im Herbst will er eine „Mannschaft des Vertrauens und der Kompetenz“ für 2017/18 präsentieren – zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl. Dem Team sollen offenbar alle denkbaren Kronprinzen und Kronprinzessinnen sowie weitere CSU-Spitzenpolitiker angehören.

Zwei Jahre vor der Wahl hat bisher noch keine Partei eine Spitzenmannschaft präsentiert. Es darf vermutet worden, dass Seehofers Team keineswegs nur der Vorbereitung von Wahlen dient, sondern der Disziplinierung ehrgeiziger Erben. Seehofer bindet die Nachfolgekandidaten in das Korsett eines Teams ein, dessen Mitglieder sich bis zur von Seehofer geplanten Machtübergabe 2018 ein dreijähriges Schaulaufen liefern können.

Die Stimme des CSU-Vorsitzenden ist während seiner Rede hörbar angegriffen und brüchig. Mehrere Terminabsagen in den vergangenen Wochen haben Spekulationen genährt, er sei bei schlechter Gesundheit. Nach der Rede zeigt sich Seehofer dann allerdings frischer als zuvor auf dem Podium.

Ursprünglich wollte der CSU-Chef den Nachfolge-Fahrplan auf einem Parteitag offiziell beschließen lassen – doch das fand die übrige CSU-Spitze im Vorjahr mehrheitlich skurril. Nun gibt es einen neuen Plan.

„Insgesamt wird es darauf ankommen, erstklassige Arbeit und strikte Disziplin an den Tag zu legen“, mahnt Seehofer die Parteifreunde. Denn an Disziplin und Koordination hapert es derzeit in der CSU, wie seit Monaten immer wieder deutlich wird.

Erst am Dienstag hatte sich Seehofer in der Kabinettssitzung über den künftigen Pressesprecher des Finanzministers und derzeitigen Oberkronprinzen Markus Söder geärgert: Von dem Journalisten Michael Backhaus ist nämlich bereits überliefert, er wolle 2016 in die Staatskanzlei einziehen. Das berichtete Seehofer nach Teilnehmerangaben selbst im Kabinett – und fand es offenbar gar nicht komisch. Er argwöhnt möglicherweise, dass der ehrgeizige Söder ihn schon 2016, also weit vor seinem geplanten Abschied mit der Landtagswahl 2018, beerben will.

Zwar tut Seehofer alle Berichte über interne Spannungen in der CSU als „Märchen“ ab. Doch zwei der vier stellvertretenden Vorsitzenden sind in Bamberg erst gar nicht erschienen: Peter Gauweiler und Ex-Verkehrsminister Peter Ramsauer. Beide hatten sich Seehofers Ärger zugezogen, weil sie im Bundestag gegen dessen ausdrückliche Aufforderung die Verlängerung der Griechenland-Hilfe ablehnten.

Und auch an anderen Fronten läuft die CSU-interne Abstimmung schlecht. So wurde die Debatte um den Bau einer dritten Startbahn des Münchner Flughafens von drei Kabinettsmitgliedern befeuert – und das höchst unterschiedlich: Umweltministerin Ulrike Scharf ist dagegen, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner dafür und Wirtschaftsstaatssekretär Franz Pschierer regt eine Volksbefragung an.

Doch das verstößt gegen die offizielle Linie, dass das Thema erst im Herbst entschieden werden soll. „Ich sage jetzt präventiv jedem, ob er im Kabinett sitzt oder nicht, diese selbst veranlasste Diskussion nicht zu führen. Sonst müsste ich dazu ein klares Wort in der Öffentlichkeit sagen“, poltert der Parteichef und droht so für den Fall weiterer Verstöße Abmahnungen an.

Doch ungeachtet solcher Querelen demonstriert Seehofer letzlich große Zuversicht: „So wie wir aufgestellt sind, können wir (die Wahlen) gar nicht verlieren, wenn wir bescheiden bleiben.“

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