Harsche Reaktion auf Presse-Schelte Senator vergleicht Trump mit Stalin

Washington. Stephen Colbert ist tief enttäuscht. Wochenlang hoffte der Satiriker, er werde eine der „Fake News“-Trophäen des US-Präsidenten erhalten.
19.01.2018, 00:00
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Senator vergleicht Trump mit Stalin
Von Thomas Spang

Washington. Stephen Colbert ist tief enttäuscht. Wochenlang hoffte der Satiriker, er werde eine der „Fake News“-Trophäen des US-Präsidenten erhalten. Der Moderator der „Late Show“ hatte dafür auf dem Times Square in New York eigens eine riesige Werbetafel angemietet. Darauf bewarb sich Colbert für zwei der Preis-Kategorien. Enttäuscht hängten auch die Kollegen der „Washington Post“ und von CNN ihre Sakkos, die sie bei der Zeremonie des Weißen Hauses tragen wollten, wieder in den Schrank. Statt der angekündigten Show bei der Vergabe der Schandpreise verschickte Donald Trump einen Link, der zu einer Webseite der Republikanischen Partei führte.

Dass der Gewinner des „Fake News“-Awards nicht einmal den Anspruch erhebt, Nachrichten zu schreiben, sondern als Kolumnist für die „New York Times“ tätig ist, verpasste Trumps jüngstem Angriff auf die freien Medien eine ironische Note. Paul Krugman bekam den Hauptpreis für seine Prognose einer wirtschaftlichen Rezession infolge von Trumps Wahlsieg. Die übrigen „Fake News Awards“ gingen an US-Medien, die allesamt Fehler in ihrer Berichterstattung eingeräumt und korrigiert hatten.

Glen Kessler, der in der Faktencheck-Rubrik der „Washington Post“ Pinocchios für Falschaussagen von Politikern vergibt, kategorisierte Trumps Preisverleihung selber als „Fake News“. „Acht Gewinner haben Korrekturen veröffentlicht, wobei zwei zu Suspendierungen oder Rücktritten führten.“ Kessler wies darauf hin, dass der Präsident im ersten Amtsjahr mehr als 2000 Aussagen gemacht habe, die im besten Fall irreführend, oft handfeste Lügen gewesen seien.

Die schärfste Kritik an Trumps jüngstem Versuch, die Glaubwürdigkeit der US-Medien zu unterminieren, kommt aus der eigenen Partei. Senator John McCain beklagte, 2017 sei mit 267 Festnahmen weltweit ohnehin schon ein äußerst gefährliches Jahr für Journalisten gewesen. Trumps Verhalten gebe „Rückendeckung für repressive Regime“. Der scheidende Senator Jeff Flake bezeichnete es als sehr bedenklich, wenn ein Präsident keine Kritik ertragen könne und Journalisten deshalb als „Volksfeinde“ bezeichne. „Es sagt eine Menge über den Zustand unserer Demokratie aus, wenn unser eigener Präsident Worte gebraucht, die von Josef Stalin benutzt wurden, um seine Feinde zu beschreiben.“

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