Gastkommentar über die Moscheesteuer

Solidarische Abgaben könnten der richtige Weg sein

Die öffentliche Diskussion zum Thema Moscheesteuer sollte weiter geführt werden, findet der Dozent der Universität Bremen Christoph Fantini.
18.01.2019, 22:07
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Fantini

Ganz unabhängig davon, ob einem der Begriff Moscheesteuer gefällt, oder man sich von der Ideengeberin (Seyran Ates, d. Red.) abgrenzen möchte, ist es zum Ziel gelingender Interkultureller Kommunikation gut, die öffentliche Diskussion zu diesem Themenfeld weiter zu führen. Das offene, nachhaltige Nachdenken darüber, wie ungleich die Finanzierungsmöglichkeiten für Angebote von Religionsgemeinschaften und auch innerhalb der Religionsgemeinschaften in Deutschland sind, hat große Bedeutung in der muslimischen Community.

Das schnelle Abhaken der notwendige Diskussion wird dem Problem nicht gerecht. Dies geschieht etwa mit dem Argument, Steuerabgaben passten nicht zu muslimischen Regelwerken oder mit dem Hinweis auf die Unabhängigkeit deutscher Moscheegemeinden von Finanzierungen aus dem Ausland.

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Die Zahl der Menschen in muslimischen Gemeinden in Bremen nimmt weiter zu. Es gibt Moscheen mit Mitgliedern, die durch beständige Spenden und Mitgliedsbeiträge von mehr oder weniger wohlhabenden Gemeindegliedern zu einem recht guten Auskommen kommen können. Es gibt Moscheen, die einen Geistlichen hauptamtlich beschäftigen können, ob nun komplett selbst finanziert oder mit anderweitigen Zuschüssen sei dahin gestellt.

Aber es gibt gleichzeitig eine beträchtliche Zahl von „armen“ muslimischen Gemeinden, die es mühsam schaffen, spartanische Keller- oder Lagerräume als Gebetsorte herzurichten und instand zu halten. Sie sind bei der geistlichen Betreuung absolut auf, teilweise an Erschöpfung grenzende, freiwillige soziale Engagements von „Freizeit-Imamen“ angewiesen. Dabei geschieht unter diesen für zum Beispiel christliche Gemeinden unvorstellbaren Bedingungen in vielen Fällen eine Gemeinschaft und Orientierung stiftende Arbeit von sehr hoher gesellschaftlicher Bedeutung. Nicht nur, aber auch Integrationsarbeit für größere Mengen an neu zugewanderten Menschen muslimischen Glaubens. Der Überlebenskampf in diesen Einrichtungen wird, mit Blick auf den Wohlstand anderenorts, durchaus als diskriminierend erlebt.

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Es ist absolut nicht in Ordnung, über solche Zustände hinweg zu sehen und nicht mit klugen Gedanken nach Lösungen für die Notlagen solcher Einrichtungen zu suchen. Solidarische Glaubensgemeinschaftsabgaben, ähnlich einer Besteuerung, könnten da genau der richtige Weg sein. Politik und staatliche Einrichtungen, und die Vertretungen der religiösen Gemeinden sollten sich unbedingt in der Pflicht sehen, hier konstruktiv weiterzudenken.

Info

Zur Person

Unser Gastautor Christoph Fantini ist seit 2004 Dozent an der Universität Bremen. Der Erziehungswissenschaftler arbeitet zu den Themen interkulturelle Kompetenz und interreligiöse Dialogfähigkeit.

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