Kommentar über Radio Bremen

Soll der neue Intendant bei Radio Bremen von außen kommen?

Radio Bremen braucht ab August 2019 einen neuen Intendanten. Warum der Sender dieses Mal auf die Tradition verzichten kann, einen neuen Chef von außen zu holen, kommentiert Florian Schwiegershausen.
22.09.2018, 20:25
Lesedauer: 3 Min
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Soll der neue Intendant bei Radio Bremen von außen kommen?
Von Florian Schwiegershausen
Soll der neue Intendant bei Radio Bremen von außen kommen?

Jan Metger, Intendant bei Radio Bremen, hört im kommenden Jahr auf. Nach zehn Jahren folgt ab August 2019 keine dritte Amtszeit.

Ingo Wagner /dpa

Zehn Jahre als Intendant bei Radio Bremen sind Jan Metzger genug. Für eine dritte Amtszeit steht er nicht mehr zur Verfügung. Es sei ein hochintensives, sehr interessantes Amt und „das bleibt nicht in den Kleidern hängen“, lies er mitteilen. Im Rundfunkrat hatte man bis zum Schluss gehofft, dass Metzger sich vielleicht doch fürs Weitermachen entscheidet. Das Votum hätte er dort gehabt. Eine ganze fünfjährige Amtszeit wäre es für den dann 63-Jährigen sowieso nicht mehr gewesen. Denn eine Sache, nach der man im öffentlich-rechtlichen Sendebetrieb garantiert die Uhr stellen kann, ist das Pensionseintrittsalter.

Metzger wählt nun die Pension mit 63. Ihn zieht es zurück in seine hessische Heimat. Die hatte er allerdings in den vergangenen zehn Jahren auch nie so richtig aufgegeben. Bei einigen traditionellen gesellschaftlichen Anlässen in Bremen hätte man ihn auch gern öfter gesehen. Seinem Nachfolger hinterlässt er ein trimedial gut aufgestelltes Haus. Der Ausbau und die Vernetzung von TV, Radio und Online fiel in seine Ära. Das Online-Angebot ging den norddeutschen Zeitungsverlegern sogar zu weit. Es war ihnen zu presseähnlich, weshalb sie klagten. Der im Juni beschlossene Telemedienauftrag wird aber regeln, was ARD und ZDF in Zukunft dürfen. Ansonsten galt wie schon vor Metzgers Zeit der Grundsatz des kleinsten ARD-Senders, dass die begrenzten finanziellen Möglichkeiten durch Kreativität wettgemacht werden.

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Öffentliche Kritik an Metzger gab es zuletzt nur im Februar 2017 nach dem Frequenzentausch des Jugendsenders Bremen Next mit Cosmo. Seitdem sendet Bremen Next auf der stärkeren Ex-Cosmo-Frequenz, während das Multikulti-Radio Cosmo mit einer schwächeren Stadtfrequenz vorlieb nehmen muss.

Nun ist die Frage, ob ein Buten- oder ein Binnen-Kandidat Metzger beerben wird. Innerhalb des Senders kann sich Brigitta Nickelsen Chancen ausrechnen. Sie ist seit 2010 Betriebsdirektorin. So, wie sie ihre Karriere vorangetrieben hat, dafür gibt es auf dem Flurfunk von Radio Bremen sowohl Worte des Respekts als auch des Missfallens. Der Intendanten-Job wäre ein wenig so, als ob sie darauf hingearbeitet hätte. Was sie vorweisen kann: Sie kennt als „Radio-Bremen-Gewächs“ hervorragend den Sender, seine Zahlen und vor allem seine Eigenheiten, und sie ist eh schon so etwas wie die rechte Hand des Intendanten. Außerdem ist zu hören, dass es Zeit wäre für eine Frau an der Spitze des Senders.

Auch Jan Weyrauch wäre ein Kandidat. Der 50-Jährige ist seit 2011 Programmdirektor in der kleinsten ARD-Anstalt. Dass er Jugendwellen neu erfindet, ist Teil seines Berufslebens: Erst in Berlin beim heutigen RBB, dann beim Hessischen Rundfunk, und in der Hansestadt schließlich mit der Jugendwelle Bremen Next. Für das Programm, das Radio Bremen an Funk liefert, das junge Online-Angebot von ARD und ZDF, heimst der Sender einen Preis nach dem anderen ein. Die TV-Reportage-Reihe „Rabiat“ für die ARD vom kreativen Y-Kollektiv ist ebenso preisverdächtig. Mit all diesen Akzenten, die auch auf Weyrauchs Konto gehen, steht Radio Bremen innerhalb der ARD wieder als kleine wendige Kreativschmiede da. Weyrauch als RB-Intendant – aber ebenso könnte er nochmals eine neue Herausforderung bei einem anderen Sender suchen.

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Bei Radio Bremen war es die letzten Jahrzehnte Tradition, dass die Intendanten von einem anderen Sender kamen. Metzger war zuletzt beim ZDF Leiter des Heute-Journals. Seine drei Vorgänger kamen vom NDR. Bei ARD, ZDF und Deutschlandradio gibt es nun genug Kandidaten in der zweiten Reihe, die durchaus geeignet wären. Von dort werden garantiert Bewerbungen kommen. Schließlich hat sich nicht nur in der ARD herumgesprochen, dass der Radio-Bremen-Intendant als Chef von 218 festen Mitarbeitern ein Jahresgehalt von mehr als 250 000 Euro bekommt. Auch wenn das am unteren Ende der ARD-Intendantengehälter liegt, wäre der Wechsel vielleicht mal eine gute Gelegenheit, dies nach unten zu korrigieren. Selbst für manche Radio-Bremen-Programmmacher ist diese Summe nicht nachvollziehbar – vor allem, wenn sie gesagt bekommen, dass für dieses oder jenes kein Geld vorhanden sei.

Wer auch immer es werden wird: Es soll den Job bekommen, wer am besten dafür geeignet ist, und nicht der oder die mit der richtigen Parteimitgliedschaft, oder weil es eine Frau sein soll. Die Findungskommission des Rundfunkrats wird den Job nun öffentlich ausschreiben. Bis Frühjahr will man sich einigen. Nun heißt es also für alle mit Ambitionen aus buten und aus binnen: Wagen un winnen.

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