Prozess gegen 55 Mitglieder und Helfer der „Hells Angels“ / Vorwurf der Zuhälterei und Geldwäsche auf Mallorca

Spanien klagt Rocker-Boss Hanebuth an

Menschenhandel, Erpressung und Geldwäsche: Die spanische Justiz erhebt gegen den deutschen Rocker-Boss Frank Hanebuth schwere Vorwürfe. Sie will in einem Prozess insgesamt 55 Mitglieder und Helfer der „Hells Angels“ vor Gericht stellen.
05.02.2015, 00:00
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Von Ralph Schulze
Spanien klagt Rocker-Boss Hanebuth an

Frank Hanebuth wurde im Juli 2013 von der spanischen Polizei auf Mallorca festgenommen.

Montserrat T Diez, dpa

Menschenhandel, Erpressung und Geldwäsche: Die spanische Justiz erhebt gegen den deutschen Rocker-Boss Frank Hanebuth schwere Vorwürfe. Sie will in einem Prozess insgesamt 55 Mitglieder und Helfer der „Hells Angels“ vor Gericht stellen.

Sie wollten offenbar auf der spanischen Ferieninsel Mallorca das Geschäft der Prostitution kontrollieren. Ihnen wird zudem Erpressung, Menschenhandel, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Nun soll der „Hells-Angels“-Gruppe, die in einer spektakulären Polizeiaktion im Sommer 2013 auf Mallorca festgesetzt wurde, in Spanien der Prozess gemacht werden. Hauptangeklagter ist der deutsche „Hells-Angels“-Boss Frank Hanebuth, der schon seit anderthalb Jahren in spanischer Untersuchungshaft sitzt.

Monatelang ermittelte der Untersuchungsrichter Eloy Velasco im „Hells-Angels“-Milieu. Nun glaubt Velasco, genug Beweise in der Hand zu haben, um eines der größten Gerichtsverfahren zu starten, das je in Europa gegen die international verzweigte Rockergruppe anlief. Der Prozess, der voraussichtlich im Laufe des Jahres beginnen wird, soll vermutlich vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid stattfinden. Dieser ist für Schwerverbrechen und organisierte Kriminalität zuständig.

In seinem abschließenden Ermittlungsbericht breitet Richter Velasco auf 95 Seiten und in allen Einzelheiten die lange Liste der Beschuldigungen auf: Im Zentrum der Anklage gegen Hanebuth und Co. steht der Vorwurf der Zuhälterei und des Menschenhandels. So sollen junge Frauen mit falschen Versprechen nach Mallorca gelockt und zur Prostitution gezwungen worden sein. Freie Tage bekamen diese Zwangsprostituierten offenbar nur, wenn sie genügend Geld verdienten. Zudem berichteten Ermittler von Frauen, die in Käfige eingesperrt oder zu Schönheitsoperationen gezwungen worden seien.

Der 50-jährige Hanebuth, frühere Milieu-Größe aus Hannover, wird von den spanischen Ermittlern als Chef dieses „Hells-Angels“-Netzes auf Mallorca gesehen. Ihm zur Seite sollen die beiden deutsch-marokkanischen Brüder Khalil und Abdelghani Y. gestanden haben. Sowie der Deutsche Paul E., der mit dem Frankfurter Zuhälter-Milieu in Verbindung gebracht wird. Hanebuth gilt bei den spanischen Ermittlern, die auch von deutschen Kripobeamten unterstützt wurden, als einer der führenden Köpfe der „Hells Angels“ in Europa. Die deutsche Justiz hatte in früheren Jahren vergeblich versucht, Hanebuth hinter Gitter zu bringen. Der Rockerboss und Bordellbetreiber aus Hannover wird auch als einer der Schlüsselfiguren der deutschen „Hells-Angels“-Szene eingeschätzt. Mehrere deutsche Ermittlungsverfahren blieben aber ohne Ergebnis.

Weil es Hanebuth in Hannover, wo er mit seinen Leuten jahrelang das Rotlichtviertel kontrolliert haben soll, zu heiß geworden war, verlegte er offenbar seine Geschäfte nach Mallorca. Dort lebte er in dem beschaulichen Ort Lloret de Vistalegre auf einer hübschen Finca. Monatelang war Hanebuth beschattet worden, bevor dann im Juli 2013 ein Großaufgebot der Polizei zuschlug und die Bande festsetzte.

Den Ermittlungen zufolge wollte Hanebuth mehrere Bordelle und sogar Hotels auf Mallorca übernehmen und auf der Insel die Zentrale seiner internationalen Geschäfte einrichten. Seit einem Jahr sitzt „der Lange“, wie der hünenhafte Rocker auch genannt wird, wegen Fluchtgefahr in einem Hochsicherheitstrakt im Gefängnis der südspanischen Stadt Puerto de Santa María – mit Blick auf die Atlantikküste. Damit wollten die Justizbehörden verhindern, dass Hanebuth auch hinter Gittern sein Netzwerk weiterspinnt oder sogar Ausbruchspläne schmiedet. Es sieht nun also ganz danach aus, als ob Hanebuths unfreiwillige „Urlaubsverlängerung“, wie er es selbst lässig genannt haben soll, noch ein bisschen länger dauern wird.

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