Ein Toter und acht Verletzte bei Anschlag in nordchinesischer Provinz Shanxi

Sprengsätze detonieren vor Parteizentrale

Peking. Neun Tage nach einem Attentat im Zentrum Pekings ist China gestern erneut von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden. In der nördlichen Provinzhauptstadt Taiyuan wurden bei der Explosion von sieben Sprengsätzen vor dem örtlichen Hauptquartier der Kommunistischen Partei ein Mensch getötet und acht weitere verletzt, wie die Polizei der Provinz Shanxi mitteilte.
07.11.2013, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Sprengsätze detonieren vor Parteizentrale
Von Felix Lee

Neun Tage nach einem Attentat im Zentrum Pekings ist China gestern erneut von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden. In der nördlichen Provinzhauptstadt Taiyuan wurden bei der Explosion von sieben Sprengsätzen vor dem örtlichen Hauptquartier der Kommunistischen Partei ein Mensch getötet und acht weitere verletzt, wie die Polizei der Provinz Shanxi mitteilte. Der Fernsehsender CCTV berichtete von „selbst gebastelten Bomben“, die mit Stahlkugeln und Nägeln gefüllt waren. Die Sprengsätze seien fast gleichzeitig explodiert. Ein achter Sprengsatz, der nicht gezündet hat, steckte noch in einem Blumentopf. Die Detonationen beschädigten in einem Umkreis von 100 Metern rund 20 Fahrzeuge. Die KP-Zentrale blieb unversehrt.

Über Täter und Hintergründe machten die Behörden zunächst keine Angaben. Bei dem Anschlag am Tiananmen-Platz in Peking Ende Oktober war ein Geländewagen in eine Menschenmenge gerast. Beim Fahrer und den Insassen handelte es sich den Behörden zufolge um Uiguren, eine ethnische Minderheit muslimischen Glaubens aus dem Nordwesten der Volksrepublik, die in den Chinesen Besatzer sieht und sich von ihnen diskriminiert fühlt.

Der Anschlag in Taiyuan hingegen scheint ersten Erkenntnissen zufolge nicht auf Uiguren zurückzugehen. Zumindest seien vor der Explosion keine Uiguren gesichtet worden, berichtete eine CCTV-Reporterin. Tatsächlich ist auch unter vielen Chinesen die Unzufriedenheit groß. Immer wieder haben in den vergangenen Jahren verzweifelte Bürger Anschläge verübt, um gegen Behördenwillkür oder andere staatliche Schikanen zu protestieren. So jagte sich im vergangenen Juli ein Rollstuhlfahrer mit einem selbst gebastelten Sprengstoff auf dem Pekinger Flughafen in die Luft, weil Polizisten ihn Jahre zuvor in seinem Heimatdorf schwer misshandelt hatten, dafür aber nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Ein 52-jähriger Bauer in der südchinesischen Stadt Fuzhou wiederum hatte sich 2011 aus Protest gegen Landenteignungen selbst gesprengt und dabei zwei Menschen mit in den Tod gerissen.

Vom hohen Wirtschaftswachstum der vergangenen zwei Jahrzehnte haben in China bei Weitem nicht alle profitiert. Vor allem auf dem Land leiden Millionen Menschen nach wie vor unter extremer Armut. Sie beklagen zudem, dass sie auch weiter nicht über die gleichen sozialen Rechte verfügen wie ihre Mitbürger in den Städten. Auf dem am kommenden Sonnabend beginnenden Parteikongress in Peking hat die KP-Spitze zahlreiche Reformen versprochen und angekündigt, diese Probleme anzugehen. Kritiker bezweifeln jedoch, dass sie es mit ihren Versprechungen wirklich ernst meint.

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