Wegen hoher Gründungssdynamik

Städtevergleich: Bremen im Mittelfeld

Bremen/Oldenburg. Bei einem Vergleich der größten Städte Deutschlands landet Bremen im "gesicherten Mittelfeld": Platz 26. Doch entwickelt sich die Hansestadt besser als viele andere Großkommunen.
30.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Städtevergleich: Bremen im Mittelfeld
Von Norbert Holst
Städtevergleich: Bremen im Mittelfeld

Der Bremer Marktplatz.

Frank Thomas Koch

Bremen/Oldenburg. Bei einem Vergleich der größten Städte Deutschlands landet Bremen im "gesicherten Mittelfeld": Platz 26. Doch entwickelt sich die Hansestadt besser als viele andere Großkommunen: Im sogenannten Dynamik-Ranking, das die Entwicklung von 2006 bis 2011 widerspiegelt, nimmt Bremen den 14. Rang ein.

Auch wenn Bremen beim "Städteranking 2012" unterm Strich im Mittelfeld landet, gibt es doch bei den Merkmalen einige Ausreißer nach oben – und nach unten. So bescheinigt die gestern in Berlin von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der "Wirtschaftswoche" vorgelegte Studie der Hansestadt eine hervorragende Gründungsdynamik: Im Vergleich der 50 größten deutschen Städte belegt Bremen Rang sechs. Deutlich über dem Schnitt liegt auch die Ingenieurquote mit einem Wert von 3,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das verweist darauf, dass Bremen ein Hightech-Standort ist mit Namen wie Daimler, EADS oder OHB.

INSM-Projektleiter Florian von Hennet lobt: "Bremen hat hochproduktive zukunftsfähige Industrien und im Bildungssektor offenbar auch vergleichsweise gute Voraussetzungen." Allerdings gibt er auch zu bedenken: "Aus diesen Voraussetzungen muss Bremen noch mehr machen. Denn wenn die Stadt überhaupt Aussichten haben will, seine Verschuldungssituation erfolgreich anzugehen, braucht es auf lange Sicht nachhaltige Wachstumsraten."

Geringe Schulabbrecherquote

Positiv wird in dem Städteranking die vergleichsweise geringe Zahl an Schulabbrechern gewertet. In der Hansestadt beträgt die Quote 4,4 Prozent, der bundesweite Durchschnittswert liegt bei 7,1 Prozent. Negativ fallen zwei Indikatoren auf. So spricht die Untersuchung von einer "deutlichen Schwäche" im Bereich der öffentlichen Sicherheit. Bremen findet sich damit auf Platz 46 wieder. Zudem schätzen die Wirtschaftsakteure das Kostenbewusstsein der Verwaltung eher unterdurchschnittlich ein: Nur jeder dritte Befragte gab ein positives Urteil ab.

Die Gesamtbilanz: Im aktuellen Ranking verbessert sich Bremen von Platz 27 auf 26, im Dynamikvergleich erreicht die Weserstadt Rang 14 (2011: 17). Beim Ist-Zustand liegt Bremen zwar hinter der niedersächsischen Konkurrenz aus Braunschweig (Platz 13), Oldenburg (18), Hannover (19) und Osnabrück (21), kann aber Städte wie Kassel, Magdeburg oder Lübeck hinter sich lassen.

Mit Interesse hat die Bremer Handelskammer das Ergebnis des Städtevergleichs verfolgt: "Dass sich Bremen im Niveau-Ranking verbessert hat, ist eine gute Nachricht. Und im Dynamik-Ranking hat die Stadt so gut abgeschnitten wie noch nie. Das ist doch eine schöne Botschaft", kommentiert Andreas Köhler die INSM-Studie. Bemerkenswert findet der Referent für Mittelstandsfragen das gute Abschneiden bei den Schulabbrechern: "Der Wert zeigt einen guten Weg auf, der fortgesetzt werden muss." Handelskammer-Referent Köhler gibt aber auch zu bedenken: "Wir müssen aufpassen, dass die insgesamt positive Entwicklung so bleibt. Vor allem bei den beeinflussbaren Standortkosten muss die Konkurrenzfähigkeit des Wirtschaftsraums Bremen eine gewichtige Rolle spielen. Die vom Senat beschlossene Erhöhung der Gewerbesteuer ist in dieser Hinsicht weder angezeigt noch vertretbar."

Oldenburg und Braunschweig punkten

Gerade mit ihrer Wirtschaftsfreundlichkeit können die beiden niedersächsischen Champions Braunschweig und Oldenburg glänzen – heißt es ausdrücklich in der INSM-Studie. Im Dynamikranking erreicht Oldenburg sogar den zweiten Platz, Braunschweig Rang acht. Braunschweig profitiert vor allem vom VW-Werk mit seinen 5700 Beschäftigten. Und Osnabrück ist bundesweite Spitze in puncto Wirtschaftsfreundlichkeit: 76 Prozent der befragten Unternehmen bewerteten diese positiv. Bei Hannover hingegen fällt das vergleichsweise hohe Beschäftigungsniveau auf: 2011 waren 60,2 Prozent der Einwohner zwischen 15 und 64 Jahren abhängig beschäftigt, das bedeutet Rang zwölf. Allerdings: Die Versorgung mit Arbeitsplätzen hat sich in dem Zeitraum so schlecht entwickelt wie in keiner anderen Stadt.

Treiber des Fortschritts im Falle Oldenburgs sind nach Darstellung von INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr die erneuerbaren Energien. Konkret: vor allem das vorbildliche Zusammenspiel von Wissenschaft und regionaler Wirtschaft bei der Windenergie. "Oldenburg ist aus dem Dornröschenschlaf aufgewacht. Man muss aber auch sagen: Die Stadt hat in vielerlei Hinsicht etwas zu bieten." Laut der Studie zieht Oldenburg überdurchschnittlich viele Hochqualifizierte an. Auch deshalb hat dort der Wohlstand so zugenommen wie in keiner anderen Stadt.

Freude im Rathaus

Große Freude herrschte gestern im Oldenburger Rathaus. "Das ist eine schöne Bestätigung dafür, dass wir in Oldenburg auf die richtigen Themen gesetzt haben und ich freue mich über die tolle Bewertung", kommentiert Oberbürgermeister Gerd Schwandner das Ergebnis. Klaus Wegling, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, bemerkt dazu: "Ich bin hocherfreut, aber keineswegs überrascht über das gute Abschneiden unserer Stadt im bundesweiten Vergleich."

Die Verwaltung verheimlicht aber auch nicht die Schwächen, die die Untersuchung aufgezeigt hat. So hat sich der Altersquotient verschlechtert, und der Saldo von Betriebsanmeldungen und Abmeldungen fällt unterdurchschnittlich aus. Anders ausgedrückt: Im Falle Oldenburgs ist noch Luft nach oben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+