Anwohner und Umweltschützer wollen geplanten Autobahnbau verhindern ‒ Klage über Lärmbelastung und schlechtere Luftqualität

Streit um Hamburger Hafen-Highway

Hamburg. Der Rechtsstreit um die Elbvertiefung ist noch nicht ausgestanden, da droht der Stadt Hamburg die nächste gerichtliche Auseinandersetzung um ein Großprojekt. Gegen den geplanten Bau einer Autobahn durch das Hafengebiet sind mehr als 1200 Einwendungen von Bürgern und Organisationen eingegangen.
25.04.2017, 00:00
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Streit um Hamburger Hafen-Highway
Von Markus Lorenz
Streit um Hamburger Hafen-Highway

Hafenautobahn

Petra Sigge, Deges

Hamburg. Der Rechtsstreit um die Elbvertiefung ist noch nicht ausgestanden, da droht der Stadt Hamburg die nächste gerichtliche Auseinandersetzung um ein Großprojekt. Gegen den geplanten Bau einer Autobahn durch das Hafengebiet sind mehr als 1200 Einwendungen von Bürgern und Organisationen eingegangen. Nicht nur Hunderte Anrainer im Bereich Wilhelmsburg, Moorburg und Kirchdorf wollen die 900 Millionen Euro teure Hafenpassage verhindern, sondern auch der Nabu Hamburg.

„Das Planfeststellungsverfahren wird kein Spaziergang für die Planer“, unkten Nabu und das Bündnis Verkehrswende Hamburg gestern vielsagend per Pressemitteilung. Die Umweltschützer haben schon eine Klage für den Fall angedroht, dass Stadt und Bund am Projekt in jetziger Form festhalten. Die Behörden müssen nun zunächst zu den Einwendungen bei einem Erörterungstermin Stellung nehmen. Eine grundlegende Änderung der Planungen gilt aber als so gut wie ausgeschlossen. Die umstrittene, 9,7 Kilometer lange Trasse trägt mittlerweile drei Namen: Früher als Hafenquerspange bezeichnet, heißt sie inzwischen offiziell A 26 Ost; die Stadt ersann dazu kürzlich die schickere Bezeichnung Hafenpassage. Diese soll die A7 bei Moorburg mit der A1 bei Stillhorn verbinden und so den Elbtunnel sowie das Stadtgebiet von Verkehr entlasten. Bestandteil soll eine spektakuläre Schrägseilbrücke über die Süderelbe in Höhe des Kohlekraftwerks Moorburg sein.

Mehr als 1000 Widersprüche gegen Infrastrukturvorhaben dieses Kalibers sind nicht ungewöhnlich. Ein Novum ist allerdings, dass diesmal auch 111 Kinder Einwendungen eingereicht haben. Sie nutzten dazu Vordrucke der Kritiker, auf denen viel Platz für gemalten Protest war. Als formale Einsprüche gelten diese Eingaben jedoch nicht, weil die Absender nicht volljährig sind.

Nabu und das Anlieger-Bündnis Verkehrswende Hamburg lehnen den Hafen-Highway als „anachronistisch“ ab. Eine Hafenautobahn sei angesichts stagnierender Umschlagzahlen überflüssig. Stattdessen solle die Stadt den nötigen Neubau einer Köhlbrandbrücke nutzen, um die Haupthafenroute durch das nördliche Wilhelmsburg zu forcieren. Laut Nabu ist die vorgesehene südliche Trasse ökologisch nicht zu verantworten, sie bedrohe geschützte Tier- und Pflanzenarten. Anwohner wehren sich zudem gegen Verlärmung, schlechtere Luftqualität sowie die Zerschneidung ihrer Lebensräume.

Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) nennt die Hafenpassage dagegen unverzichtbar für Hamburgs Wirtschaft. Der Schutz von Umwelt und Anwohnern im Süderelbegebiet sei durch die Planungen gewährleistet. Stadt und Bund wollen 2019 mit dem Bau beginnen und 2025 die ersten Autos rollen lassen. Kommt es zu Klagen, wäre dieser Zeitplan kaum zu halten.

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