SALAFISTEN Suche nach Identität

Der Salafismus in Deutschland macht jungen Muslimen ein Identitätsangebot. Vor allem Diskriminierungserfahrungen spielen eine Rolle.
08.08.2017, 20:17
Lesedauer: 1 Min
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Suche nach Identität
Von Milan Jaeger

Aus Sicht der Salafismus-Expertinnen des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Daniela Schlicht und Verena Voigt, beruht der Erfolg des Salafismus in Deutschland zu einem großen Teil darauf, dass er jungen Muslimen ein Identitätsangebot mache. Salafisten, die sich auf eine ausgrenzende Ideologie beriefen, übten eine hohe Anziehungskraft aus. Vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund, die sich hierzulande nicht wirklich heimisch fühlen, könnten Salafisten für sich gewinnen.

Auch Diskriminierungserfahrungen spielen demnach eine Rolle. So entbrennen, Schlichts Beobachtungen zufolge, in einschlägigen Internetforen immer wieder hitzige Diskussionen. Wenn das Brandenburger Tor nach einem Anschlag in Paris in den französischen Nationalfarben erstrahlt, fragten sich junge Muslime, warum nicht auch den Opfern eines Anschlags im Irak, Gaza oder Afghanistan auf solch großer Bühne gedacht werde. Das zeige, dass viele Menschen, die sich zum Salafismus hingezogen fühlen, Ausgrenzungserfahrungen gemacht hätten. Das sei ein weiterer Grund für den Erfolg des Salafismus.

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Interessanterweise bedienten sich Terrororganisationen wie Daesch bei ihren Anwerbemethoden aber westlicher popkultureller Mittel. „Daesch-Videos erinnern in ihrer Ästhetik an Computerspiele“, erläutert Schlicht. Gemeinsam mit dem Umstand, dass Rückkehrer oftmals von ihrer großen Enttäuschung berichten, zeige das, wie sehr die Zielgruppe eben doch in Deutschland beziehungsweise Europa verwurzelt sei.

So würden sich Rückkehrer beispielsweise darüber beschweren, dass es in Syrien kein Nutella gebe. Gleichwohl würden sie von Daesch teilweise sehr schlecht behandelt und eben auch auf ihre Herkunftsländer reduziert. Das zeige, dass es Daesch entgegen dem eigenen Anspruch nicht gelinge, ein die Nationen überwindendes Kalifat zu errichten. Für die deutsche Gesellschaft ist in den Augen von Schlicht die Hauptfrage, wie man mit den Rückkehrern umgehe. Deren Einbindung in die Prävention sei wichtig. In Deutschland sei man aber im Vergleich zu Großbritannien und Frankreich noch nicht so weit.

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