Kerstin Knopf über den Umgang mit Kolonialgeschichte

Sühne für einen deutschen Völkermord in Afrika

Am 9. Juli 2015 begehen wir den 100.Dieses Gebiet wurde schnell erweitert und eine deutsche Kolonialverwaltung im sogenannten Deutsch-Südwestafrika installiert. Die Herero, Nama, San, Damara und Owambo bildeten die indigene Bevölkerung, die nach einem hegemonialrassistischen Verständnis unterjocht und teilweise wie Sklaven auf deutschen Farmen zur Arbeit gezwungen wurden.
09.07.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Am 9. Juli 2015 begehen wir den 100. Jahrestag des Endes der deutschen Kolonialherrschaft im heutigen Namibia. Diese begann, als im Auftrag des Bremer Tabakhändlers Adolf Lüderitz am 1. Mai 1883 die Bucht von Angra Pequena (Lüderitzbucht) und mehrere Kilometer Hinterland vom Volk der Nama für einige hundert Pfund und Gewehre „erworben“ wurde.

Dieses Gebiet wurde schnell erweitert und eine deutsche Kolonialverwaltung im sogenannten Deutsch-Südwestafrika installiert. Die Herero, Nama, San, Damara und Owambo bildeten die indigene Bevölkerung, die nach einem hegemonialrassistischen Verständnis unterjocht und teilweise wie Sklaven auf deutschen Farmen zur Arbeit gezwungen wurden. Deutsches Interesse galt neben der Besiedlung des Landes, Landwirtschaft und Viehzucht auch der Aneignung und dem Handel mit Diamanten und Kupfer.

Die Herero und Nama, die sich durch betrügerische großräumige „Landkäufe“ der Deutschen zunehmend ihres Landes beraubt und ihre Existenz durch skrupellosen „Handel“ und menschenverachtende Kolonialpolitik massiv bedroht sahen, erhoben sich 1904 zu Aufständen gegen die deutsche Kolonialherrschaft, die blutig niedergeschlagen wurden. Generalleutnant Lothar von Trothas Ziel der völligen Vernichtung des „Gegners“ resultierte in einer gnadenlosen Verfolgung, Tötung und Internierung der Überlebenden, welche die Herero- und Namabevölkerungen entmenschlicht und gravierend reduziert hat. Ein Zitat aus der Vernichtungsproklamation von Trothas im Namen des deutschen Kaisers vom 2. Oktober 1904 zeigt die genozidale Intention des deutschen Militärs: „Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber und Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volk zurück, oder lasse auf sie schießen.“ Damit beging die kaiserliche ‚Schutztruppe‘ Völkermord an den Herero und später an den Nama.

Die Petitionen des Bündnisses „Völkermord verjährt nicht!“ und des genocide-namibia.net „Völkermord ist Völkermord!“ verdienen in vollstem Maße Unterstützung. Der Bundespräsident und die Bundesregierung sind aufgefordert, am 9. Juli 2015 den Völkermord an den Herero und Nama anzuerkennen, um eine offizielle Entschuldigung zu bitten sowie einen Dialog über Versöhnungsmaßnahmen mit den Nachfahren der Genozidopfer und der namibischen Regierung zu führen. Nur so, und mit entsprechender Einbindung dieser Themen in Schule und Wissenschaft, kann Deutschland beginnen, seine koloniale Vergangenheit in Afrika aufzuarbeiten. politik@weser-kurier.de

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