Historiker sind besorgt Trump ruft zu Gewalt auf: Wahlkampf spaltet die USA

Acht Monate vor den Wahlen in den USA verschärft sich der Kampf: Donald Trump fordert seine Fans auf, Demonstranten zu verprügeln - er werde die Anwaltskosten tragen. Erstes Ergebnis: eine blutige Nase.
15.03.2016, 00:00
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Trump ruft zu Gewalt auf: Wahlkampf spaltet die USA
Von Thomas Spang

Acht Monate vor den Wahlen in den USA verschärft sich der Kampf: Donald Trump fordert seine Fans auf, Demonstranten zu verprügeln - er werde die Anwaltskosten tragen. Erstes Ergebnis: eine blutige Nase.

Heather Cox Richardson schlug schon vor einigen Wochen Alarm wegen der Rhetorik, mit der Donald Trump seine ohnehin schon wütende Anhängerschaft aufpeitscht. „Ich kann nicht sehen, wohin dieser Ärger anders hinführen soll als zur Gewalt“, erklärte die renommierte US-Historikerin vom Boston College zu der Stimmungsmache des Nationalisten. Richardsons Voraussage erwies sich am Vorabend des „kleinen“ Super-Dienstag als allzu richtig. Gab es auf Trump-Kundgebungen zu Beginn seiner Kandidatur im vergangenen Sommer nur vereinzelte Zwischenfälle, so eskalierte die Situation in den vergangenen Tagen.

„Donald Trump hat eine toxische Umgebung geschaffen“, klagt der Gouverneur von Ohio, John Kasich, über seinen Konkurrenten im Rennen um die Präsidentschafts-Nominierung. Das halten ihm nun auch offen Marco Rubio und Ted Cruz vor. Die demokratische Bewerberin Hillary Clinton nennt den Spitzenreiter der Republikaner einen „politischen Brandstifter“. Die „hässliche, spaltende Rhetorik“ Trumps ermutige zu „Gewalt und Aggression“.

Trump-Anhänger schlägt Demonstranten ins Gesicht

Diese Aggression trat am Donnerstag in Fayetteville im US-Bundesstaat North Carolina offen zutage. Ein Trump-Anhänger hatte dort einem abgeführten Demonstranten ohne Anlass die Faust ins Gesicht geschlagen. Der Kandidat erklärte später in einem Interview, er lasse derzeit prüfen, ob er die Anwaltskosten des Schlägers übernehme.

Trump steht im Wort. Am 1. Februar hatte er auf einer Kundgebung in Iowa seinen Anhängern nicht weniger als das versprochen. „Wenn ihr jemanden seht, der mit Tomaten auf mich werfen will, haut ihn zu Brei. Macht ihr das? Ernsthaft. Haut sie richtig zusammen. Ich verspreche Euch, ich werde die Anwaltskosten tragen.“

Dem Schlag ins Gesicht folgten Proteste bei einer Trump-Kundgebung im Peabody Opera House von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Während die Polizei mindestens 32 Personen abführte, beschwerte sich der Kandidat darüber, dass die Störer mit Samthandschuhen angefasst würden. „Es muss wieder Konsequenzen geben. Es gibt keine mehr“. Später gingen Bilder von dem 50-jährigen Anthony Cage um die Welt, dem Trump-Anhänger eine blutige Nase verpasst hatten.

Trump will seine Gegner rechtlich verfolgen

Richtig außer Kontrolle geriet die Situation dann an der University of Illinois in Chicago. Trump hatte wegen einer großen Zahl an Demonstranten die Veranstaltung abrupt abgesagt und damit Öl ins Feuer gegossen. „Die Absage hat es schwierig gemacht, die Veranstaltung ordentlich zu beenden“, hieß es in einer Stellungnahme der Polizei.

Am Sonnabend dann versuchten in Dayton im US-Bundesstaat Ohio zwei Männer auf das Podium zu stürmen, von dem Trump zu der Menge sprach. Nach einer kurzen Schrecksekunde hatten seine Leibwächter die Lage schnell unter Kontrolle. Er sei darauf vorbereitet gewesen, den Angreifer selber zu verprügeln, plusterte sich Trump anschließend auf.

In Kansas City im US-Bundesstaat Missouri drohte er Demonstranten damit, sie künftig auch rechtlich zu verfolgen. Verantwortung für die Gewalt seiner Anhänger übernimmt der Kandidat dagegen nicht. Stattdessen zeigt Trump Verständnis für die „unglaubliche Wut“ und die „Leidenschaft“ seiner Fans, „die Amerika lieben“.

An diesem Dienstag finden in Florida, Ohio, Missouri, North Carolina und Illinois bei Demokraten und Republikanern Vorwahlen statt. Ein Sieg in allen fünf Staaten brächte Trump in eine Position, in der eine Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten für ihn so gut wie sicher wäre.

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