US-Republikaner warnt Establishment seiner Partei vor Unruhen / Clinton triumphiert bei Demokraten Trump siegt und droht

Washington. Am Morgen nach seinen rauschenden Wahlsiegen richtete der Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat eine Warnung an die Parteiführung: „Ich denke, es wird Unruhen geben”, prophezeit Trump in einem Interview düster. Die CNN-Moderatorin hatte ihn gefragt, ob seine Anhänger es hinnähmen, wenn der Rechtspopulist mit den meisten Delegierten zum Parteitag käme und dann ein anderer zum Kandidaten gekürt würde.
17.03.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Trump siegt und droht
Von Thomas Spang

Am Morgen nach seinen rauschenden Wahlsiegen richtete der Spitzenreiter im Rennen um die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat eine Warnung an die Parteiführung: „Ich denke, es wird Unruhen geben”, prophezeit Trump in einem Interview düster. Die CNN-Moderatorin hatte ihn gefragt, ob seine Anhänger es hinnähmen, wenn der Rechtspopulist mit den meisten Delegierten zum Parteitag käme und dann ein anderer zum Kandidaten gekürt würde. „Ich repräsentiere viele, viele Millionen Menschen“, betonte Trump selbstbewusst.

Ein Sprecher der republikanischen Partei versuchte die offene Drohung mit Gewalt auf den Straßen später als „bildlich“ herunterzuspielen. Doch Trump meint durchaus, was er sagt. Und seine Fans haben auf den Kundgebungen in den vergangenen Tagen gezeigt, wie wörtlich sie den blondierten Nationalisten verstehen.

Diese Episode vom Tag nach den Vorwahlen in den fünf großen Bundesstaaten Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio illustriert die Wahl, vor die der Rechtspopulist die „Grand Old Party“ stellt: Trump oder Chaos.

Weder die Gewalt auf seinen Kundgebungen noch die vulgäre Sprache und schon gar nicht seine radikalen Forderungen schreckten die republikanischen Wähler davon ab, dem Rechtspopulisten am Dienstag zu einem großen Wahlsieg zu verhelfen. Das Gegenteil ist der Fall. Rund zwei Drittel aller Republikaner sprachen sich in Nachwahl-Umfragen für ein temporäres Einreiseverbot für Muslime aus. Vier von zehn unterstützen die Ausweisung von elf Millionen Einwanderern ohne legalen Aufenthaltsstatus. Mit Ausnahme des Bundesstaates Ohio, in dem der beliebte Gouverneur John Kasich einen Pflichtsieg holte, räumte Trump wieder einmal ab.

Er liegt nach vorläufigem Stand der Auszählungen mit rund 270 Delegierten vor dem nächsten Verfolger, Ted Cruz. Und er hat schon mehr als die Hälfte der für eine Nominierung erforderlichen 1237 Delegierten hinter sich und erfüllt bereits alle formalen Voraussetzungen für eine Kandidatur: Auf dem Parteitag in Cleveland kann sich im Juli nämlich nur zur Wahl stellen, wer die Mehrheit der Delegierten in acht Bundesstaaten oder Territorien gewonnen hat.

Ob es einen Herausforderer geben wird, der diese Bedingung erfüllt, bleibt so fraglich wie die Erfüllung der Hoffnung des Partei-Establishments, Trump zu hindern, in den ausstehenden Wahlen die Mehrheit aller Parteitagsdelegierten zu gewinnen.

Nachdem Trump deren erste Wahl, Jeb Bush, in South Carolina aus dem Rennen drängte, musste am Dienstag der nächste Führer der Anti-Trump-Bewegung innerhalb der Partei, Marco Rubio, nach einer demütigenden Niederlage in seinem Heimatstaat Florida das Handtuch werfen. Die von Rubio gewonnenen Delegierten gehen nun ungebunden auf den Wahlparteitag nach Cleveland und dürfen dort für einen anderen Kandidaten stimmen. Das beflügelt die Fantasien von einem Parteitag, auf dem Trump die Kür zum Präsidentschaftskandidaten noch verbaut werden könnte.

Für den moderaten Kasich – „Es geht darum, Amerika zu vereinen, nicht es auseinander zu reißen”, erklärte er in der Wahlnacht – wäre dies der einzige Weg zur Nominierung. Doch angesichts des Wahlkalenders und der mathematischen Realitäten dürfte das nach Ansicht von Analysten ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen sein. Dennoch gibt sich Kasich optimistisch: „Wir werden bis nach Cleveland gehen und die Nominierung gewinnen.”

Das gelobt auch Ted Cruz, der vor seinen Anhängern verkündet: „Jeder Republikaner hat eine klare Wahl: Nur wir oder Trump haben einen Weg zur Nominierung.” Cruz setzt darauf, zur Alternative desselben Establishments in Washington zu werden, das den ultrakonservativen Senator aus Texas bisher mindestens so sehr verachtet hat wie Trump.

Je mehr das Rennen der Republikaner Gräben aufwirft, desto weiter zieht Hillary Clinton bei den Demokraten davon. Am Dienstag hängte sie ihren Herausforderer auf der Linken, Bernie Sanders, mit fünf Siegen in den fünf wählenden Bundesstaaten überraschend deutlich ab. Sie führt das Delegierten-Rennen nun mit rund 300 Stimmen an und hat etwa zwei Drittel der notwendigen Stimmen für die Nominierung auf dem Parteitag in Philadelphia im Juli.

In ihrer Siegesrede vor Anhängern in Ohio tat Clinton denn auch so, als habe sie das Nominierung-Rennen bereits gewonnen. Sie dankte Sanders für den „lebhaften Wahlkampf” und wandte sich dann Donald Trump zu: „Wir wollen Barrieren wegräumen, nicht Mauern bauen”, geißelte die Demokratin die Hetze des Nationalisten. Ein Kandidat, der Einwanderer deportieren und Folter zurückbringen wolle mache Amerika nicht stark, sondern verkehrt.

Für den Herbst zeichnet sich damit ein Wahlkampf ab, der hässlich wie nie zuvor werden könnte. Nach einer neuen Umfrage mögen die Wähler ohnehin beide Spitzenreiter nicht. Dabei ist Trump, den 63 Prozent nicht mögen, bei den Amerikanern noch unbeliebter als Clinton, die bei 53 Prozent unpopulär ist.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+