Hafen-ARimAU Überfälle und ihre Folgen für Seeleute

Bremen. Piraterie ist nach Angaben der Deutschen Seemannsmission nach wie vor eine massive Bedrohung für die Handelsschifffahrt und die Seeleute. „Auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind – in ­unsere Stationen kommen immer wieder Seeleute, um über traumatische Erfahrungen mit Überfällen auf See zu reden“, sagt die ­Generalsekretärin der in Bremen ansässigen Organisation, Heike Proske.
05.08.2016, 00:00
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Von Dieter Sell

Bremen. Piraterie ist nach Angaben der Deutschen Seemannsmission nach wie vor eine massive Bedrohung für die Handelsschifffahrt und die Seeleute. „Auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind – in ­unsere Stationen kommen immer wieder Seeleute, um über traumatische Erfahrungen mit Überfällen auf See zu reden“, sagt die ­Generalsekretärin der in Bremen ansässigen Organisation, Heike Proske. Das passiere beispielsweise in Durban, Hongkong, Singapur, Lomé in Togo oder Duala in ­Kamerun.

Zwar sind die Überfälle nach dem jüngsten Piraterie-Bericht des Internationalen Schifffahrtsbüros IMB auf den niedrigsten Stand seit 1995 gesunken. „Trotzdem gab es in der ersten Hälfte des laufenden Jahres 98 Zwischenfälle“, so Proske. „Piraten sind auf 72 Schiffen an Bord gekommen, haben fünf in ihre Gewalt gebracht und 64 ­Seeleute als Geiseln gekommen.“ Anders als etwa bei Flugzeugentführungen werde über ­diese Zwischenfälle kaum berichtet.

„Dabei ist die Situation für die Seeleute besonders dramatisch, weil zugleich ihr Arbeitsplatz und ihr Wohnraum angegriffen wird − einen Platz, um sich zurückzuziehen und Abstand zu gewinnen, haben sie nach den Überfällen nicht.“ Viele Betroffene nutzten dann zumindest bei Landgängen und bei Besuchen in den Clubs der Seemannsmission die Gelegenheit, um sich ihre ­Belastungen von der Seele zu reden.

Oftmals überfallen schwer bewaffnete ­organisierte Banden Schiffe auf See und vor Anker, greifen die Besatzung an, rauben Schiffsladungen oder bringen ganze ­Frachter in ihre Gewalt, um sie weiterzuverkaufen oder Lösegeld-Forderungen zu stellen. Zwar sei die Situation vor der Küste Somalias durch die Anti-Piraten-Mission „Atalanta“der EU ruhiger geworden, sagte Heike Proske. Doch Somalia bleibe ein fragiler Staat, die Gefahr von Angriffen sei weiterhin hoch: „Das kann jederzeit wieder aufflammen, wenn sich die EU zurückziehen würde.“

Viel Lob hat Proske für deutsche Reeder. Sie schulten ihre Offiziere, um im Ernstfall einer Panik an Bord begegnen und Opfern helfen zu können. Erfolgreich sei neben dem Einsatz der Marine auch der Einsatz staatlich zertifizierter privater und bewaffneter Sicherheitskräfte an Bord der Schiffe. Doch dieser Schutz werde beispielsweise vor Westafrika von den Anrainerstaaten nicht zugelassen.

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