Menschenrechtler: Geflüchtete werden bundesweit diskriminiert

Übergriffe gegen Christen

Berlin. Bis zu 40 000 Christen werden in deutschen Flüchtlingsheimen offenbar ­regelmäßig Opfer religiös motivierter Gewalttaten. Das erklärten Vertreter mehrerer Menschenrechtsorganisationen, darunter die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM) und das christliche Hilfswerk „Open Doors“, am Montag in Berlin.
10.05.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Übergriffe gegen Christen

Paulus Kurt

Sophia Kembowski, dpa

Berlin. Bis zu 40 000 Christen werden in deutschen Flüchtlingsheimen offenbar ­regelmäßig Opfer religiös motivierter Gewalttaten. Das erklärten Vertreter mehrerer Menschenrechtsorganisationen, darunter die „Internationale Gesellschaft für Menschenrechte“ (IGFM) und das christliche Hilfswerk „Open Doors“, am Montag in Berlin. Wie Markus Rode, der Geschäftsführer von „Open Doors“, erklärte, herrsche in vielen Heimen ein „Klima von Panik und Angst“. Dafür waren betroffene Christen befragt worden. 231 christliche Flüchtlinge meldeten sich zurück und beklagten Drangsalierung und Gewalt. In 42 Prozent der Fälle wurde über Beleidigung geklagt. 37 Prozent wurden nach eigener Aussage Opfer von Körperverletzung. 32 Prozent hätten Todesdrohungen erhalten.

„Das sind Erfahrungen, die wir Woche für Woche machen“, sagte der lutherische Pastor Gottfried Martens, der in seiner Berliner Kirchengemeinde, die zur Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) gehört, mittlerweile rund 1200 einst muslimische Flüchtlinge getauft hat. Es sei für ihn unfassbar, dass auch Kirchenvertreter immer noch von Einzelfällen sprächen. Paulus Kurt vom Zentralrat der orientalischen Christen in Deutschland e.V., in dem sich zahlreiche orientalisch-orthodoxe Kirchen zusammengeschlossen haben, sprach von der „Spitze eines Eisbergs“. Zu den Problemen gehöre, dass das Wachpersonal in den Einrichtungen oft ebenfalls muslimisch sei und nicht nur keinerlei Verständnis für die christlichen Flüchtlinge habe, sondern sich oft aktiv an den Diskriminierungen beteilige. Karl Hafen von der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte beklagte zudem, dass auch viele Dolmetscher islamistischen Gruppen nahestünden.

In einem Appell an die Bundeskanzlerin sprachen sich die Organisationen dafür aus, die Angehörigen religiöser Minderheiten so in den Flüchtlingsheimen zu konzentrieren, dass ihr Anteil an den Bewohnern eines Heimes dem Anteil der Muslime entspreche. Zudem müsse es Vertrauenspersonen christlichen Glaubens geben, an die sich Christen unter den Flüchtlingen wenden könnten. Christen, die Opfer von Diskriminierung geworden sind, sollten verstärkt dezentral untergebracht werden.

In der Vergangenheit hatten Kirchenvertreter und die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag die Situation von Christen in Flüchtlingsheimen zwar thematisiert. Eine gesonderte Unterbringung dieser Menschen wurde bislang jedoch abgelehnt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+