Übersterblichkeit Wie tödlich ist das Coronavirus im internationalen Vergleich?

In Deutschland sind 2020 48.000 Menschen mehr gestorben als in den Vorjahren. Hinsichtlich der Sterbefälle ist Deutschland damit vergleichsweise gut durch das erste Pandemie-Jahr gekommen.
02.02.2021, 21:31
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Wie tödlich ist das Coronavirus im internationalen Vergleich?
Von Patrick Reichelt

Eine zentrale Frage der Corona-­Pandemie ist seit Beginn die der Sterblichkeit: Sind im Corona-Jahr 2020 insgesamt mehr Menschen gestorben als in den Jahren davor? Auch rund ein Jahr nach dem Ausbruch ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Eine Annäherung bietet die sogenannte Übersterblichkeit. Sie gibt die Anzahl an Todesfällen an, die über einem historischen Mittel liegen.

982.489 Sterbefälle hat das Statistische Bundesamt von Januar bis Dezember 2020 in Deutschland gezählt. Das sind etwa 48.000 mehr als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019, was ein Plus von fünf Prozent bedeutet. Zum Vergleich: Die Zahl der offiziell erfassten Corona-Toten im vergangenen Jahr beträgt laut Robert Koch-Institut 39.201. Dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern, wie die Deutschland-Karte zeigt.

Sterbezahlen im Ausland oft höher

Hinsichtlich der Sterbefälle ist Deutschland aber vergleichsweise gut durch das erste Pandemie-Jahr gekommen. In anderen europäischen Ländern sind die Sterbezahlen deutlicher angestiegen. Zwar rechnen einige Staaten mit anderen Vergleichszeiträumen, eine erhöhte Sterblichkeit ist trotzdem in vielen Fällen deutlich erkennbar. So meldet das Statistische Amt Belgiens einen Anstieg der Sterbefälle um 18.000 im Vergleich zum Vorjahr. Die Übersterblichkeit liegt hier bei 16 Prozent. Für England und Wales gibt das Office for National Statistics einen Anstieg der Sterbefälle um etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an (plus 77.000 Fälle), was dem zweithöchsten Anstieg von Sterbefallzahlen seit 1940 entspricht.

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Österreich hat einen Zuwachs im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen vier Jahre um etwa 11 Prozent oder 9000 Tote. Die Europäische Statistikbehörde Eurostat hat für viele europäische Länder insbesondere im Frühjahr und im Herbst erhöhte Sterbefallzahlen festgestellt.

In Russland ist die Einwohnerzahl erstmals seit 15 Jahren wieder geschrumpft. Sie sank nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat im vergangenen Jahr um etwa eine halbe Million, wie die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ berichtete.

Demnach lebten im flächenmäßig größten Land der Erde rund 146,2 Millionen Menschen. Experten sehen den Hauptgrund für den Rückgang in der Corona-Pandemie. Nach Angaben des Statistikamtes starben allein von Januar bis November 2020 rund 229.700 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Übersterblichkeit von mehr als 13 Prozent.

17 Prozent mehr in den USA

Auch die USA haben im Jahr 2020 eine stark erhöhte Übersterblichkeit. 17 Prozent mehr Tote als in den Vorjahren hat das Land zu beklagen. Experten sehen auch hier die Pandemie als den Hauptgrund. Im Jahr 2020 sind 346.039 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Erkrankung gestorben. Im Zeitraum von März bis Oktober 2020 war Covid-19 bereits die dritthäufigste Todesursache in den USA, hinter Herz- und Krebserkrankungen, berichtet das Journal der American Medical Association.

Neuseeland ist eines der wenigen Länder mit einer Untersterblichkeit, es sind also weniger Menschen gestorben als im Vergleichszeitraum. Wegen extrem strenger Maßnahmen und genauer Kontaktverfolgungen ist das Land bislang sehr glimpflich durch die Krise gekommen.

Insgesamt wurden nur rund 2300 Fälle verzeichnet, 25 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Fast alle Fälle werden bei Reiserückkehrern entdeckt. Das Land mit gut fünf Millionen Einwohnern ist zu einer weitgehenden Normalität zurückgekehrt und gilt als Vorbild in Sachen Pandemie-Bekämpfung.

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