Zwei Grabsteine in Wildeshausen umgestoßen und beschädigt / Polizei ermittelt in „alle Richtungen“

Unbekannte schänden jüdischen Friedhof

Der jüdische Friedhof in Wildeshausen ist von unbekannten Tätern geschändet worden. Sie haben zwei massive Grabsteine mit Gewalt umgeschmissen. Die Polizei hat die Ermittlungen, die in alle Richtungen gehen, aufgenommen.
29.08.2013, 00:00
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Von KLAUS WENK
Unbekannte schänden jüdischen Friedhof

Bodo Gideon Riethmüller ist bestürzt. Auf dem jüdischen Friedhof in seiner Heimatstadt Wildeshausen haben Unbekannte zwei massive Grabsteine umgeworfen und beschädigt. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. FOTO: INGO MÖLLERS

Ingo Moellers

Der jüdische Friedhof in Wildeshausen ist von unbekannten Tätern geschändet worden. Sie haben zwei massive Grabsteine mit Gewalt umgeschmissen. Die Polizei hat die Ermittlungen, die in alle Richtungen gehen, aufgenommen.

Wildeshausen. Bodo Gideon Riethmüller ist bestürzt. Im Landesverband der Jüdischen Gemeinden Niedersachsen ist er für 210 jüdische Friedhöfe zuständig – nun hat eine Grabschändung ausgerechnet in seiner Heimatstadt stattgefunden. Auf dem jüdischen Friedhof Wildeshausen sind zwei massive Grabsteine umgeworfen und beschädigt worden. „Wir sind zuletzt eigentlich von einer abfallenden Tendenz dieser Taten ausgegangen“, sagte Riethmüller.

Entdeckt wurden die umgestürzten Grabsteine am Dienstagabend gegen 19.50 Uhr. Seit gestern hat das Fachkommissariat für politisch motivierte Kriminalität der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land die Ermittlungsarbeit übernommen. Es gebe allerdings noch keine Hinweise auf mögliche Tatverdächtige. Dementsprechend werde in alle Richtungen ermittelt. „Woher die Täter kommen, ist reine Spekulation“, meinte Riethmüller, ergänzte aber: „Wer auf einen jüdischen Friedhof geht, der weiß, was er da tut.“ Juristisch betrachtet, geht es um die Straftatbestände Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe.

Die beiden umgestürzten Grabsteine stehen nicht direkt nebeneinander. Sie befinden sich zwar in derselben Reihe, sind aber durch zehn andere Ruhestätten voneinander getrennt. „In den Grabsteinen sind zur Stabilisierung extra zwei Stahlbügel verbaut, die kann man nicht einfach so umwerfen“, wunderte sich Riethmüller über die angewandte Gewalt.

Der genaue Tatzeitpunkt lässt sich laut Polizei bisher noch nicht eingrenzen. Auch wenn die Tat am Dienstag um 19.50 Uhr entdeckt wurde, schließt Riethmüller eine Schändung bei helllichtem Tag aus. Seiner Ansicht nach wäre die Entdeckungsgefahr wegen der Nachbarn viel zu groß gewesen. Daher vermutet er, dass die Täter bereits in der Nacht zu Dienstag über den Zaun geklettert sein könnten, zumal der Friedhofabends abgeschlossen wird.

Der Schaden wird auf etwa 1000 Euro geschätzt. „Solche Ausgaben sind in unseren begrenzten Mittel nicht eingeplant“, berichtete Riethmüller, der auf Unterstützung hofft. Zuletzt wurde der jüdische Friedhof Wildeshausen am 30. Mai 1999 Opfer von Vandalismus. Damals entstanden an acht Grabsteinen Schäden von insgesamt rund 15000 D-Mark.

Erstmals erwähnt wurde der jüdische Friedhof von Wildeshausen 1707. Heute befinden sich 86 Grabsteine für Juden aus Wildeshausen, aber auch aus den jüdischen Gemeinden von Delmenhorst, Harpstedt, Kirchhatten, Berne und Ganderkesee auf der Beerdigungsstätte. Die letzte jüdische Bestattung fand 1919 statt. „Ein jüdischer Friedhof ist für die Ewigkeit erschaffen“, erklärte Bodo Gideon Riethmüller. Im Judentum ist die Totenruhe unantastbar, deshalb werden Gräber und Grabmale über Jahrhunderte erhalten.

In Delmenhorst gab es am 17. Juni 2012 einen ähnlichen Fall von Schändung auf dem jüdischen Friedhof. Insgesamt waren 18 Grabstellen beschädigt und teilweise komplett zerstört worden. Zusätzlich beschmierten die Täter die Grabsteine auch noch mit Hakenkreuzen. Fast ein Jahr später, im Mai, konnten allerdings zwei Tatverdächtige ausfindig gemacht werden. Nach der Aufrüstung mit einer Videoüberwachung des Friedhofs an der Syker Straße hat es keine weiteren Vorfälle gegeben.

Hinweise zur Tat in Wildeshausen nimmt die Polizei Delmenhorst unter Telefon 04221/1559115 entgegen.

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