Kommentar über die Sicherheitskonferenz

Uneinigkeit auf ganzer Linie

Bei der Sicherheitskonferenz ist der Streit zwischen den USA und ihren Verbündeten offen zutage getreten. Kanzlerin Merkel führte die Trump-Kritiker an - doch es braucht Einigkeit in Europa, urteilt Ralf Müller
17.02.2019, 20:49
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Von Ralf Müller
Uneinigkeit auf ganzer Linie

Auf der Sicherheitskonferenz in München trafen Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Vizepräsident Mike Pence aufeinander.

Sven Hoppe

Die Weltordnung liegt in Scherben, und wer sammelt sie auf? Bei der 55. Sicherheitskonferenz in München hätten sie viele gerne aufgelesen und nach eigenem Geschmack zusammengefügt. Aber was das Puzzle am Ende zeigen sollte, darüber bestand Uneinigkeit auf ganzer Linie.

Mit ihrer viel beachteten und beklatschten Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz markierte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Gegenentwurf zum egozentrischen, dollarfixierten Weltbild eines Donald Trump ‒ im Ton verbindlich, aber doch deutlich in der Sache: Nein, nur weil es regelmäßig aus dem Weißen Haus poltert, werde man weder Nord-Stream 2 noch den Atomvertrag mit dem Iran aufgeben. Und „blindes Aufrüsten“ könne auch nicht die Antwort auf alle Probleme sein.

Wenn Merkel auf EU-Ebene eine so frische und überzeugende Führungskraft zeigt wie in München, könnte es doch noch etwas werden mit europäischer Einigkeit. Jedoch ist der Brexit ein schwerer Rückschlag, den die EU wahrscheinlich nie kompensieren kann.

Wie man es auch dreht und wendet: Die Alternativen für die Europäer laufen auf Einigung oder Selbstaufgabe hinaus. Wenn sie es jetzt immer noch nicht begriffen haben und bei der Europawahl im Mai das Kreuzchen bei Nationalisten und Populisten machen, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen.

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