Bujumbura

Unsicherheit nach gescheitertem Putschversuch in Burundi

Bujumbura. Sie wollten Burundi von dem vermeintlichen Diktator befreien, jetzt bangen die Putschisten um ihr Leben. Kaum 48 Stunden, nachdem ein ranghoher Militäroffizier Präsident Pierre Nkurunziza als „entlassen“ bezeichnete, erklärte die Regierung den Staatsstreich am Freitagmorgen offiziell für gescheitert.
16.05.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Markus Schönherr
Unsicherheit nach gescheitertem Putschversuch in Burundi

In den vergangenen Tagen lagen Rauchschwaden über der Hauptstadt Bujumbura.

Jennifer Huxta, dpa

Sie wollten Burundi von dem vermeintlichen Diktator befreien, jetzt bangen die Putschisten um ihr Leben. Kaum 48 Stunden, nachdem ein ranghoher Militäroffizier Präsident Pierre Nkurunziza als „entlassen“ bezeichnete, erklärte die Regierung den Staatsstreich am Freitagmorgen offiziell für gescheitert. Jedoch ist die Krise in dem ostafrikanischen Land noch lange nicht vorbei: Erneut versammelten sich Demonstranten, um gegen das repressive Regime zu protestieren.

Sicherheitskräften war es gelungen, einen Polizeigeneral und drei Armeeoffiziere festzunehmen, darunter auch der ehemalige Geheimdienstchef und Drahtzieher des Putsches, Godefroy Niyombare. Am Mittwoch hatte der Generalmajor der burundischen Streitkräfte im Radio Nkurunzizas Sturz verkündet. Darauf folgten am Donnerstag heftige Gefechte in Bujumbura, als regierungstreue Soldaten, die Präsidentengarde und die Aufständischen um die Kontrolle über die Hauptstadt rangen. Schließlich gaben die Putschisten auf. Mindestens 16 Soldaten starben im Kugelhagel. Nkurunziza, der von einem Krisentreffen der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) aus Tansania zurückeilte, dankte den Truppen für ihre Treue.

Allerdings sollte sich der Präsident nicht zu früh in Sicherheit wähnen. Tausende Demonstranten hatten vor dem Putsch gegen Nkurunziza protestiert, der bei den Wahlen im Juni eine dritte Amtszeit anstrebt. Das verbietet zwar die Verfassung, doch unter politischem Druck gab das Verfassungsgericht dem Staatsoberhaupt grünes Licht für die Kandidatur. Die Straßen in Bujumbura blieben am Freitag zunächst leer, doch Aktivisten hatten zu neuen Protestmärschen aufgerufen. Medien berichteten von brennenden Barrikaden und einem Todesopfer.

„Wie die Probleme in den kommenden Tagen und Wochen gelöst werden, entscheidet über den weiteren Weg, den Burundi einschlägt“, erklärt Yolande Bouka, Politologin vom „Institute for Security Studies“. Die Putschführer dürften nicht willkürlich weggesperrt oder hingerichtet werden. Dies würde die Stimmung nur noch mehr aufheizen. „Wir brauchen jetzt faire, transparente Gerichtsverfahren.“ Ob es unter Nkurunziza dazu kommt, ist fraglich. Zwar versprach er noch im tansanischen Exil, Putschisten zu amnestieren, sollten diese freiwillig aufgeben. Doch Kritiker zweifeln an den Zusagen der bisher wenig kompromissbereiten Regierung.

Auch die bevorstehenden Wahlen entscheiden über die Stabilität der ostafrikanischen Nation: einerseits die für den 26. Mai angesetzte Parlamentswahl, andererseits die für Juni geplante Präsidentschaftswahl. Die Opposition gilt als geschwächt. So ist es weniger das Ergebnis als der Wahltermin, der über erneute Massenproteste entscheidet: „Unter den aktuellen Umständen sollte die Wahl verschoben werden bis die Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit wiederhergestellt ist“, meint Bouka. Allerdings dürfe das Regime die Proteste und den Putsch nicht als Vorwand nehmen, den Urnengang gänzlich abzusagen.

Um die politischen Lager wieder zu vereinen und das Blutvergießen zu stoppen, braucht es Experten zufolge Unterstützung aus der afrikanischen Region. Bereits 2006 hatte die zerstrittene Nation nach einem zwölf Jahre langen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi unter der Vermittlung afrikanischer Staaten wieder zusammengefunden. Der führende Vermittler war Südafrikas mittlerweile verstorbener Ex-Präsident Nelson Mandela. Auf seine Mediation folgten Jahre des Friedens und der Stabilität.

Wie die renommierte südafrikanische Wochenzeitung „Mail and Guardian“ berichtete, sei es in Afrika seit 1960 zu mindestens 100 Regierungsstürzen und versuchten Putschen gekommen. Erst im vergangenen Jahr entmachteten Aufständische die Regierung in Burkina Faso.

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