Kommentar über das Attentat von Paris Unterschätzt

Das Risiko des offensichtlich beruflich frustrierten Attentäters von Paris in Verbindung zu seinen Kontakten in die Salafisten-Szene ist sträflich unterschätzt worden, meint Birgit Holzer.
06.10.2019, 18:12
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Von Birgit Holzer

Während Frankreichs Polizisten noch um ihre brutal ermordeten Kollegen trauern, werden schockierende Schwachstellen innerhalb der Organisation des Nachrichtendienstes der Pariser Polizei offensichtlich. Dass ein religiöser Eiferer, der Kontakte zu Salafisten pflegte und eine umstrittene Moschee besuchte, ausgerechnet in einer hochsensiblen Abteilung arbeitete, die unter anderem für den Kampf gegen Extremisten zuständig ist, erscheint unfassbar. Zwar könnte auch der Wunsch nach persönlicher Rache die Bluttat motiviert haben. Doch der berufliche Frust des Täters geriet im Zusammenspiel mit seinen radikalen Einstellungen zu einem Risiko, das von den zuständigen Behörden sträflich unterschätzt wurde.

Ebenso beunruhigend ist aber auch der Umgang mit diesen Fakten. Zurecht muss sich Innenminister Christophe Castaner fragen lassen, ob unliebsame Informationen bewusst zurückgehalten wurden. Sollte er keine überzeugenden Antworten geben können, droht der Regierung und dem Macron-Vertrauten Castaner, der ohnehin wegen seines scharfen Auftretens während der Gelbwesten-Proteste umstritten ist, ein handfester Skandal.

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