Kommentar zum TV-Duell

Mike Pence gibt schwaches Bild ab

Viele Antworten gab es nicht im TV-Duell zwischen den Vize-Kandidaten im US-Wahlkampf. Kamala Harris verpasste gegen Mike Pence eine wichtige Chance.
08.10.2020, 08:24
Lesedauer: 2 Min
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Mike Pence gibt schwaches Bild ab
Von Thomas Spang
Mike Pence gibt schwaches Bild ab

Kamala Harris, Vize-Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, und Mike Pence, Vizepräsident der USA, während der TV-Vize-Präsidentschaftsdebatte in Kingsbury Hall auf dem Campus der Universität von Utah.

Patrick Semansky/DPA

Für die meisten Schlagzeilen der Debatte zwischen den „Running Mates“ dürfte die schwarze Fliege sorgen, die auf Mike Pence silbergrauem Scheitel Platz genommen hatte. Gelangweilt von dem saftlosen Singsang des Vize-Präsidenten machte sie nicht die geringsten Anstalten, abzuheben. Bis auf das merkwürdig gerötete Auge wirkte Pence ansonsten blass und kraftlos. Fast wie einer, der etwas ausbrütet. COVID-19?

Kamala Harris lieferte die bessere Vorstellung ab, obwohl auch sie keine Antwort auf die meisten Fragen der schwachen Moderatorin gab. Effektiv erinnerte sie während der 90 Minuten auf der Bühne von Salt Lake City wiederholt an die mehr als sieben Millionen COVID-19-Infizierten und 210.000 Toten der Pandemie, verpasste aber die Chance, Pence wegen seiner Rolle an der Spitze der Corona-Taskforce schärfer anzugehen.

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In Erinnerung bleiben wird auch die herablassende Art, mit der Pence über die beiden Frauen auf der Bühne hinwegredete. Damit wird er garantiert nicht die Massenflucht der weißen Wählerinnen von Donald Trump stoppen. Einen Bulldozer mit Schalldämpfer dürften nur wenige Frauen attraktiv finden.

Ansonsten wird am kommenden Wochenende bestimmt kaum mehr jemand wissen, worüber Pence und Kampala Harris eigentlich diskutiert haben. Inhaltlich bleiben vielleicht noch vage die Beiträge Harris zu „Obamacare“ und der Rolle von verlässlichen Freunden im Ausland hängen. Beide vermieden kapitale Fehler, lieferte aber auch keine einprägsamen Zitate für die Endlosschleife in den Nachrichtenkanälen.

Harris setzte sich bei der Debatte als kompetente Kandidatin in Szene, die den 77-jährigen Joe Biden im Fall der Fälle als Präsident ersetzen könnte. Pence hat gewiss auch die Erfahrung dafür, wich aber der Frage aus, ob es angesichts der Erkrankung Trumps mit dem gefährlichen COVID-19-Erreger Notfall-Absprachen gibt.

Da Biden und Harris in den Umfragen mit fast zehn Punkten vorn liegen und auch in allen Wechselwähler-Staaten die Umfragen anführen, lag es an Pence, das Ruder herumzureißen. Die vielleicht letzte Chance vor einem Millionenpublikum, da die beiden anderen Debatten zwischen Trump und Biden wegen der COVID-Erkrankung des Präsidenten infrage stehen.

Pence versuchte im Duktus eines traditionellen Republikaners die Politik eines unkonventionellen Präsidenten zu vertreten. Und scheiterte an den Widersprüchen. Der Vizepräsident wirkte bei diesem Auftritt in Salt Lake City so ausgelaugt wie die Regierung insgesamt. Weil er die Debatte nicht gewinnen konnte, hat er sie verloren.

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