Corona-Pandemie

USA verhängen Einreisestopp für Europäer - Briten und Iren ausgenommen

US-Präsident Donald Trump hat wegen des Coronavirus alle Riesen aus Europa in die Vereinigten Staaten ausgesetzt. Ausgenommen von dieser Regelungen sind Reisende aus Großbritannien und Irland.
13.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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USA verhängen Einreisestopp für Europäer - Briten und Iren ausgenommen
Von Thomas Spang
USA verhängen Einreisestopp für Europäer - Briten und Iren ausgenommen

Besucher in den nächsten Tagen unerwünscht: Als Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus schließt das Kapitol in Washington bis Ende März seine Pforten.

Susan Walsh /dpa

Reisen oder nicht reisen, das ist die Frage, die Dirk (23) seit Tagen beschäftigt. Der in den USA aufgewachsene Student aus Deutschland hatte seinen Flug so gebucht, dass er pünktlich zum Semesterbeginn wieder an seiner Universität sein kann. Er hörte die Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die ausführte, wie weit sich das Virus im schlimmsten Fall ausbreiten könnte. Am Mittwochabend verfolgte er dann Donald Trumps Rede an die Nation, in der dieser alle Reisen aus Europa für 30 Tage aussetzte.

In seiner Rede aus dem Oval Office schlug der Präsident einen betont nationalistischen Ton an. Ein „ausländischer Virus“ verbreite sich in den USA. Keine andere Nation sei „so sehr vorbereitet und widerstandsfähiger als die Vereinigten Staaten“. Um die Amerikaner zu schützen, werde ab Freitag ein 30-tägiges Einreiseverbot für Personen in Kraft treten, die sich in den vergangenen zwei Wochen in der Europäischen Union aufgehalten haben. Davon ausgenommen seien Briten und Iren sowie Staatsbürger und Personen mit unbefristetem Aufenthalt. Die US-Regierung erwägt, alle EU-Staaten der Risiko-Kategorie III zuzuordnen, die bisher für Staaten wie Italien, China und Südkorea galt. Das Außenministerium riet allen Amerikanern, wegen des Coronavirus Reisen „in alle Länder“ zu überdenken. Das ist das zweitstärkste Warnniveau nach der Empfehlung, „nicht zu reisen“.

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Binnen Minuten nach seiner Ansprache korrigierte Trump via Twitter eine missverständliche Passage der Rede, die den Eindruck erweckte, die USA würden den massiven Handel mit Europa bis auf Weiteres einstellen. „Die Restriktionen stoppen Menschen, nicht Güter.“ Statt die Amerikaner zu beruhigen, trug der Präsident mit seiner Ansprache zur weiteren Verunsicherung bei. Die „Futures“ an den Börsen kündigten an, was am nächsten Tag passieren werde. Ein weiterer Absturz des Dow-Jones-Index um mehr als sieben Prozent zum Handelsbeginn.

Dirk war nach der Rede völlig verunsichert. „Wem soll ich glauben?“, fragt der Student, der noch im Ohr hat, wie Trump in den vergangenen Tagen die Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt hatte und unbesorgt Hände schüttelte, während die Gesundheitsbehörde CDC davor warnte. Er neigt dazu, zu fliegen, weil er Sorge hat, Trump könnte irgendwann auch Reisen nach Europa verbieten.

„Wir erwarten einen großflächigen Ausbruch“

Zumal die Bundesstaaten und die amerikanische Zivilgesellschaft längst anders reagieren als die Trump-Regierung, die nach den ersten Diagnosen in China wertvolle Zeit verlor. Der Gouverneur des besonders stark betroffenen Bundesstaats Washington, Jay Inslee, verglich die erwarteten Konsequenzen der am Mittwoch von der Weltgesundheitsorganisation zu einer Pandemie erklärten globalen Virus-Krise mit einem Erdbeben. Es sei „völlig inakzeptabel“ jetzt noch in Bars und Restaurants zu gehen. „Wir erwarten einen großflächigen Ausbruch.“

Der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, forderte die Kirchen in dem Bundesstaat auf, bis auf Weiteres keine Gottesdienste mehr abzuhalten. In schneller Folge sagten die Veranstalter von Großevents Konzerte und Kongresse ab. In vielen Bundesstaaten sind nun Versammlungen von mehr als 1000 Personen untersagt. Eine große Anzahl von Universitäten stellt auf Online-Unterricht um. Dasselbe gilt für immer mehr Schulen.

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Als Dirk Anfang der Woche erfuhr, dass er seine Großmutter in ihrem Pflegeheim nicht mehr besuchen durfte, und dies nicht einmal ihrem Mann erlaubt war, ahnte er, dass die tatsächliche Lage ganz anders war. Der zuständige Fachverband hatte USA-weit Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Vor diesem Hintergrund klangen Trumps Worte ein wenig hohl, der wider aller sichtbarer Veränderungen im Alltag von „einer kurzen Zeit" sprach, "die wir als Nation und als Welt überwinden werden".

Der Präsident kündigte eine Reihe von Maßnahmen an, die vor allem den 27 Millionen Amerikanern ohne Krankenversicherung helfen sollen. Experten befürchten, dass eine weite Verbreitung des Coronavirus massive ökonomische Probleme bringen wird, da rund acht von zehn Arbeitnehmern von Lohntüte zu Lohntüte leben und 40 Prozent nicht genügend Ersparnisse haben, um eine unerwartete Rechnung bezahlen zu können. Zumal nun auch die ersten Amerikaner ihre Arbeitsplätze verlieren. Als Erste traf es Hafenarbeiter in Los Angeles, die wegen ausbleibender Container aus China nichts mehr zu tun hatten. Betroffen sind zunehmend auch Mitarbeiter des Reise-, Unterhaltungs- und Gaststättengewerbes.

Der „Patient Nummer eins“

Während Trump sich aus dem Oval Office an die Nation wandte, rief die Bürgermeisterin des Districts of Columbia, in dem das Weiße Haus steht, Muriel E. Bowser, den Notstand aus. Vergangenes Wochenende hatte Washington den Pastor einer gut vernetzten Episkopal-Kirche als „Patient Nummer eins“, der sich mit dem Virus infiziert hatte, diagnostiziert. Mehrere Abgeordnete und Senatoren sind aus Vorsicht in Selbstquarantäne gegangen.

Am Donnerstag bestätigte auch der US-Kongress seinen ersten Fall. Bei einem Mitarbeiter im Senat konnte das Virus nachgewiesen werden. Seine Chefin, die Senatorin von Washington State, Maria Cantwell, nahm das zum Anlass, einen Appell an Trump zu richten: „Wir testen nicht genug in meinem Staat und in der Nation. Testen Sie mehr und schneller und stellen Sie die Informationen bereit, damit wir etwas dagegen tun können.“

Info

Zur Sache

Was ein US-Einreisestopp für Reisende bedeutet

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) gilt das Einreiseverbot für alle Reisenden, die sich innerhalb eines Zeitraums von 14 Tagen vor der Einreise in die USA in Deutschland oder einem anderen Land im Schengenraum aufgehalten haben. Wirksam wird das Präsidialdekret diesen Freitag um 23.59 Uhr (4.59 Uhr MEZ am Sonnabend). Ausnahmen bestehen laut AA für Personen, die Ehegatte, Elternteil, Kind oder Geschwister unter 21 Jahren eines US-Staatsbürgers sind.

Allen anderen bringt es nichts, über London in die USA zu fliegen. Zwar ist Großbritannien von der Einreisesperre ausgenommen, doch am Flughafen in den USA würde die Einreise mit hoher Wahrscheinlichkeit verweigert werden. Wer einen Pauschalurlaub in den USA antreten wollte, bekommt sein Geld zurück: „Eine Pauschalreise in die USA kann kostenlos storniert werden“, sagt Rechtsanwalt Roosbeh Karimi, Experte für Reiserecht. „Der Veranstalter wird die Reise ohnehin absagen und muss das Geld binnen 14 Tagen zurückerstatten.“

Gute Karten haben auch Reisende, die nur einen Flug gebucht haben: „Wenn die Fluggesellschaft aufgrund des Einreisestopps den Flugplan stoppt und annulliert, erbringt sie auch die Flugleistung nicht“, erklärt Karimi. „Dann muss die Airline mir den Ticketpreis erstatten.“

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