Starregisseur von der Staatsanwaltschaft in Krakau vernommen und wieder freigelassen USA wollen Polanski in Polen festnehmen lassen

Krakau. Die USA haben versucht, eine Festnahme des Starregisseurs Roman Polanski während dessen Aufenthalts in Polen zu erreichen. Die polnischen Behörden seien aufgefordert worden, den 81-jährigen Regisseur bis zu einer Auslieferung festzuhalten, teilte die polnische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit.
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Die USA haben versucht, eine Festnahme des Starregisseurs Roman Polanski während dessen Aufenthalts in Polen zu erreichen. Die polnischen Behörden seien aufgefordert worden, den 81-jährigen Regisseur bis zu einer Auslieferung festzuhalten, teilte die polnische Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Polanski wurde in Krakau vernommen, anschließend aber wieder freigelassen.

Hintergrund der Verfolgung durch die US-Behörden sind Vorwürfe gegen Polanski wegen sexuellen Missbrauchs. Der Staatsanwalt habe Polanski vernommen, der es jedoch „abgelehnt“ habe, Angaben in der Angelegenheit zu machen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Krakau, Boguslawa Marcinkowska. Zugleich habe Polanski sich aber verpflichtet, sich zur Verfügung zu halten, und die Anschrift seines Aufenthaltsortes sowie seine Telefonnummern und die seines Agenten angegeben. Deshalb habe die Staatsanwaltschaft es nicht für erforderlich gehalten, ihn weiter festzuhalten.

Ein formelles Auslieferungsgesuch der USA liegt laut polnischem Justizministerium bislang nicht vor. Das US-Ersuchen auf Festnahme Polanskis sei zunächst abgelehnt worden, weil es entgegen internationaler Regeln nicht in die Sprache des Landes übersetzt war, an das es gerichtet wurde, bestätigte Justizministeriumssprecher Mateusz Martyniuk einen Bericht der Zeitung „Gazeta Wyborcza“. Dieser Mangel sei jedoch am Mittwochabend behoben worden, sodass die zuständige Staatsanwaltschaft das Ersuchen nun prüfe, sagte der Sprecher. Die Prüfung könne bis zu zwei Wochen dauern.

Bereits im Jahr 2010 hatte Polen erklärt, der polnischstämmige Polanski könne nicht ausgeliefert werden, da die Taten nach polnischem Recht verjährt seien. Dies ist aber nach US-Recht nicht der Fall, weshalb er laut polnischer Generalstaatsanwaltschaft im Rahmen eines Rechtshilfeabkommens auf US-Ersuchen festgehalten werden könnte. In Polen entscheidet ein eigenes Gericht über Auslieferungsgesuche. Bei einer Ablehnung ist das Verfahren beendet, bei einer Zustimmung muss noch letztinstanzlich das Justizministerium grünes Licht geben.

Sprecher Martyniuk sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Herr Polanski ist ein freier Bürger, er kann frei reisen.“ Ein Staatsanwalt äußerte sich in der „Gazeta Wyborcza“, er rechne damit, dass Polanski nach Frankreich zurückkehren werde, bevor das Verfahren abgeschlossen sei und ihm möglicherweise eine Festnahme drohe. Der Regisseur lebt in Frankreich. Dort führt er derzeit bei einer Bühnenversion seines Kultfilms „Tanz der Vampire“ Regie.

Polanski war in dieser Woche anlässlich der Eröffnung des Museums zur jüdischen Geschichte Polens nach Warschau gereist. Polanski, der polnischer und französischer Staatsbürger ist, war bereits 2009 auf US-Anweisung in Zürich festgenommen worden. Anschließend stand er in seinem Chalet im Schweizer Skiort Gstaad unter Hausarrest, bis ihn die Behörden nach rund zehn Monaten wegen Unklarheiten im Auslieferungsgesuch wieder freiließen.

Die US-Behörden legen ihm zur Last, 1977 eine 13-Jährige sexuell missbraucht zu haben. Zu den bekanntesten Filmen des 1933 geborenen Polanski gehören „Tanz der Vampire“ (1967), „Rosemaries Baby“ (1968), „Chinatown“ (1974), „Frantic“ (1988) und „Der Pianist“ (2002), der unter anderem mit dem Oscar für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller sowie mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet wurde.

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