Regierung in Bagdad plant Offensive gegen aufständische Islamisten USA zu Militäreinsatz bereit

Sein höchstes Ziel war es, den Irakkrieg zu beenden. Doch jetzt schickt US-Präsident Barack Obama wieder Soldaten ins Land.
21.06.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von MARCO MIERKEUND JOHANNES SCHMITT-TEGGE

Sein höchstes Ziel war es, den Irakkrieg zu beenden. Doch jetzt schickt US-Präsident Barack Obama wieder Soldaten ins Land. Unterdessen bereitet die Regierung in Bagdad offenbar eine Offensive gegen die Aufständischen vor.

Nach dem massiven Vormarsch der Terrormiliz ISIS bereiten die USA Militärschläge im Irak vor. Die ersten der 300 Soldaten sollen laut „New York Times“ bereits in den kommenden Tagen im Irak eintreffen und mögliche Ziele für Luftangriffe gegen die Terrormiliz prüfen. Die Islamisten haben Dutzende Menschen, zumeist Ausländer, in ihrer Gewalt und könnten diese für Austauschaktionen oder als menschliche Schutzschilde missbrauchen.

Zweieinhalb Jahre nach dem Ende des Irakkrieges betonte US-Präsident Barack Obama nach einem Treffen mit Top-Sicherheitsberatern im Weißen Haus am Donnerstagabend zugleich, es sollten keine Kampftruppen in den Irak zurückkehren. US-Kommentatoren zeigten sich am Freitag skeptisch: Auch der Vietnamkrieg habe seinerzeit mit der Entsendung von Militärberatern begonnen. Für einen Militäreinsatz der USA gegen ISIS wäre nach Einschätzung von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kein Mandat des Weltsicherheitsrates erforderlich. Das russische Außenministerium betonte, mögliche Luftschläge auf Ziele im Irak seien nur mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats legitim.

Die USA verstärkten massiv ihre Aufklärungsflüge über dem Irak. Allein am Donnerstag habe es über 30 bemannte und unbemannte Erkundungsflüge gegeben, berichtete die „New York Times“ unter Berufung auf namentlich nicht genannte Beamte. Auch F-18-Kampfjets seien darunter. Die Piloten seien von einem Flugzeugträger im Persischen Golf sowie von Stützpunkten in der Region gestartet.

Eine Schlüsselfigur im Irak-Konflikt ist der umstrittene Regierungschef Nuri al-Maliki, der zu Beginn des Islamistensturms hilflos wirkte. Erst unter dem Druck der sunnitischen Milizen nahm der Schiit Gespräche mit führenden Vertretern der Minderheit auf. Die Sunniten werden seit Jahren von allen wichtigen politischen Posten ferngehalten. US-Außenminister John Kerry reist vermutlich schon an diesem Wochenende in die Region, um den Konflikt diplomatisch zu entschärfen. Obama sagte, die Bildung einer neuen Regierung wäre eine Chance, einen wirklichen Dialog zwischen den Kräften aller Iraker herzustellen. Der US-Präsident nahm Al-Maliki in die Pflicht. Es sei entscheidend, ob das tiefe Misstrauen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden und politischer Opportunismus überwunden werden könne.

Iraks Regierung bereitet nach eigenen Angaben eine Offensive gegen ISIS in den Städten Mossul und Tikrit vor. Nach Angaben aus Bagdad sollen sich inzwischen zwei Millionen Iraker freiwillig zum Kampf gegen ISIS bereit erklärt haben. Nach den USA hat auch Australien zum Schutz seiner Botschaft in Bagdad Soldaten in den Irak geschickt.

Nach UN-Angaben ist die Lage Hunderttausender Flüchtlinge besorgniserregend. Bislang hätten etwa eine halbe Million Frauen, Kinder und Männer aus Furcht vor Übergriffen der Islamisten die zweitgrößte irakische Stadt Mossul verlassen, teilte das UN-Büro für die Koordinierung von Nothilfe mit. Zehntausende weitere Menschen seien aus den benachbarten Provinzen Dijala und Salaheddin geflohen. Ohne massive Hilfe drohe eine humanitäre Katastrophe. Kommentar Seite 2·Thema Seite 3

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+