Kommentar über den Welt-Diabetes-Tag Verlockende Süße mit bitterem Nachgeschmack

Eine niedrigere Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel wäre eine Idee. Die Politik hat die Möglichkeit, ein effektiveres Präventionsmodell auf die Beine zu stellen, meint Johann Ockenga
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Von Johann Ockenga

Sicher wäre es keine gute Idee, den Welt-Diabetes-Tag mit einem großen Torten- und Kuchenbüffet zu feiern. Eher könnte dieser Tag im Zeichen der Zuckerkrankheit für jeden ein wunderbarer Anlass sein, sich intensiver mit dem eigenen Lebensstil auseinanderzusetzen – noch bevor das verlockend Süße einen bitteren Nachgeschmack bekommt. Ein paar Zahlen als Vorspeise? In Deutschland leben etwa acht Millionen Menschen mit Diabetes mellitus. Jedes Jahr kommen Hunderttausende Neuerkrankungen hinzu. Ganz zu schweigen von einer vermutlich hohen Dunkelziffer. Denn die Zuckerkrankheit ist heimtückisch. Sie wird oft jahrelang nicht erkannt. Wird sie doch diagnostiziert, sind Folgeschäden häufig längst vorhanden. Die Krankheit greift Leber, Augen, Niere und weitere Organe an. Sie ist eine tödliche Gefahr. Betroffene sterben zwar nicht direkt am Zuckerschock, dafür umso häufiger an den Folgen der mit Diabetes zusammenhängenden Herz-Kreislauf-Krankheiten.

So wenig man die Entstehung des Typ 1 dieser Krankheit beeinflussen kann, so sehr kann man beim deutlich häufigeren Typ 2 vorbeugen. Vieles hängt hier davon ab, wie gut oder schlecht wir uns ernähren und bewegen. Um gesünder zu leben, muss niemand einen Triathlon meistern. Es reichen auch die kleinen, aber konsequenten Schritte wie das Meiden von Rolltreppen und Fahrstühlen oder der Wechsel vom Auto aufs Fahrrad, um die größten Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und gestörten Glukose- und Fettstoffwechsel in den Griff zu bekommen. Sicherlich ist jeder Einzelne für seinen Lebensstil selbst verantwortlich. Doch genauso sehr müssen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für eine funktioniere Prävention stimmen. Ideen einiger Fachverbände wie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin und der Deutschen Diabetes-Hilfe gehen da in eine ganz richtige Richtung. Warum nicht eine Gesundheitserziehung an den Schulen aufbauen? Oder den Anteil an Bewegung im Kita- und Schulalltag erhöhen? Gerade bei Kindern ist ein deutlicher Anstieg von Erkrankungen zu beobachten.

Auch finanzielle Anreize könnten gesetzt werden. In einigen europäischen Ländern wurden bereits die Steuern auf ungesunde Lebensmittel erhöht. In Großbritannien zahlt man Abgaben auf stark gesüßte Getränke. Konsequenterweise wäre auch eine niedrigere Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel eine Idee. Gerade nach der Bundestagswahl hat die Politik hier die große Möglichkeit, ein effektiveres Präventionsmodell auf die Beine zu stellen. Gelänge dies, dürfte man diesen Erfolg auch mit einem Stück Torte würdigen.

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