Proteste Versuchte Selbstverbrennungen in arabischen Ländern

Kairo/Algier. Das grausige Beispiel des jungen Tunesiers, der mit seiner Selbstverbrennung zum Sturz von Präsident Zine el Abidine Ben Ali beigetragen hat, findet immer mehr Nachahmer. Vor dem Parlament in Kairo versuchte am Montag ein Ägypter, sich selbst zu verbrennen.
17.01.2011, 21:20
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste

Kairo/Algier. Das grausige Beispiel des jungen Tunesiers, der mit seiner Selbstverbrennung zum Sturz von Präsident Zine el Abidine Ben Ali beigetragen hat, findet immer mehr Nachahmer. Vor dem Parlament in Kairo versuchte am Montag ein Ägypter, sich selbst zu verbrennen.

Auch aus Mauretanien und Algerien wurde von neuen Fällen berichtet. Vor der Küste des nordafrikanischen Landes zündeten zudem 20 Flüchtlinge ihr Boot an, die von der Küstenwache gestoppt worden waren. 18 konnten gerettet werden.

In Tunesien hatte sich im Dezember ein 26-jähriger arbeitsloser Hochschulabsolvent aus Verzweiflung über Behördenwillkür und Perspektivlosigkeit angezündet. Er wird mittlerweile von vielen Menschen in der Region als Märtyrer verehrt. Seine Selbstverbrennung löste die Protestwelle aus, die schließlich zum Sturz des Präsidenten führte.

Der Selbstmordversuch am Montag in Ägypten endete für den etwa 48 Jahre alten Mann mit Verbrennungen dritten Grades. Zum Motiv hieß es, er habe mit seiner Aktion gegen die seiner Meinung nach ungerechte Behandlung durch die Behörden protestieren wollen. Er habe zuvor ohne Erfolg versucht, sich gegen die Schließung seines Restaurants zu wehren. Augenzeugen berichteten Reportern vor Ort, der Mann habe sich auf der belebten Straße vor dem Parlament mit Benzin übergossen. Ein Taxifahrer habe eingegriffen und das Feuer, das sich über seinen Körper ausbreitete, gelöscht.

In der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott zündete sich ein 42 Jahre alter Geschäftsmann in seinem Auto an. Nach Angaben von Augenzeugen, die den brennenden Wagen in der Nähe des Präsidentenpalastes sahen, hatte er zuvor lautstark gegen die "ungerechte" Politik der mauretanischen Führung protestiert. Er wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Neben den 20 Flüchtlingen versuchten in Algerien am Montag mindestens vier weitere junge Männer, sich anzuzünden. Am Sonntag starb ein 34-Jähriger bei einer solchen Tat.

Der bekannte ägyptische Fernsehprediger Jussif al-Karadawi hatte nach dem Sturz von Ben Ali erklärt, Selbstmord sei im Islam verboten. Die Muslime sollten Gott aber trotzdem um Gnade für den jungen Tunesier bitten, weil dieser mit seiner Tat letztlich etwas Gutes bewirkt habe. (dpa)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+