München Video belastet Beate Zschäpe

München. Beate Zschäpe verfolgte am Tag des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße möglicherweise die Berichterstattung über den Anschlag im Fernsehen und zeichnete die Sendungen gezielt auf. Das legt ein aktueller Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) nahe.
11.03.2016, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Wiebke Ramm

Beate Zschäpe verfolgte am Tag des Bombenanschlags in der Kölner Keupstraße möglicherweise die Berichterstattung über den Anschlag im Fernsehen und zeichnete die Sendungen gezielt auf. Das legt ein aktueller Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) nahe.

Das 52-seitige Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, bringt die Hauptangeklagte im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München in Bedrängnis. Die BKA-Ermittlungen sind ein Indiz dafür, dass Zschäpe womöglich sehr wohl wusste, was die mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos taten. Sie sind auch ein Indiz dafür, dass Zschäpe entgegen eigener Bekundung an der Herstellung des NSU-Bennervideos beteiligt war.

Die Ermittler fanden bei einer erneuten Auswertung einer DVD aus dem Brandschutt des letzten NSU-Verstecks in der Zwickauer Frühlingsstraße Mittschnitte von Fernsehsendungen von WDR und n-tv über den Anschlag. Darunter sind Sendungen, die noch am Tag des Anschlags am 9. Juni 2004 im Fernsehen liefen, unter anderem eine WDR-Sondersendung. Einzelne Sequenzen der Mitschnitte finden sich auch im Bekennervideo des NSU.

Der Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße ereignete sich gegen 16 Uhr. Die erste mitgeschnittene Sendung begann laut BKA um kurz vor 18 Uhr. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos lebten damals in der Zwickauer Polenzstraße, wie auch Zschäpe vor Gericht bestätigt hat. Sie hat auch eingeräumt, dass Böhnhardt und Mundlos den Anschlag verübt haben.

Kriminaltechniker sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sendungen ursprünglich mit einem Videorekorder aufgenommen wurden und die Fernsehmitschnitte später auf DVD kopiert wurden. Die BKA-Beamtin, die den Vermerk geschrieben hat, kommt zu dem Ergebnis, dass alle Aufnahmen während der Ausstrahlung per Hand an ein und demselben Rekorder erfolgten. Der Fernsehzuschauer oder die Fernsehzuschauerin schaltete offenbar zwischen WDR und n-tv hin und her.

Die BKA-Beamtin kommt zu dem Ergebnis, dass jemand am 9. Juni 2004 vor dem Fernseher gesessen, gezielt nach Berichten über den Anschlag gesucht und bewusst die Aufnahmetaste gedrückt hat. War das Zschäpe? Das BKA schließt jedenfalls aus, dass Böhnhardt und Mundlos die Sendungen aufgenommen haben, da sie unmöglich innerhalb von zwei Stunden von Köln nach Zwickau gereist sein können.

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