Kommentar zu Merkels Besuch in Chemnitz

Viel zu spät

Besser spät als nie, mit dieser Bemerkung lässt sich Angela Merkels viel zu sehr hinausgezögerter Besuch in Chemnitz nicht wegmoderieren. Sie hätte viel früher kommen sollen, sagt Hans-Ulrich Brandt.
16.11.2018, 21:55
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Viel zu spät
Von Hans-Ulrich Brandt

Besser spät als nie, mit dieser Bemerkung lässt sich Angela Merkels viel zu sehr hinausgezögerter Besuch in Chemnitz nicht wegmoderieren. Die Bundeskanzlerin hat drei Monate gebraucht, um sich in jener Stadt blicken zu lassen, die wochenlang schreckliche Schlagzeilen lieferte. Die halbe Welt schaute auf die sächsische Stadt, doch Merkel wartete ab.

Das war ein Fehler. Sie hätte sich viel eher in ihren Hubschrauber setzen sollen, voller Terminkalender hin oder her. Dass ihr jetzt die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig eine „seit drei Jahren währende Sprachlosigkeit“ vorwirft, kommt nicht von ungefähr. Zu oft war Merkel zögerlich, schwieg oder flüchtete sich in allgemeine Betroffenheitsfloskeln.

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Auch als der rechte Mob in Chemnitz tobte. Dieser Regierungsstil hat dazu beigetragen, dass sie jetzt eine Bundeskanzlerin auf Abruf ist. Merkel darf sich also nicht wundern, dass sie weiter an Glaubwürdigkeit verloren hat. Ihr Treffen mit Basketballern wirkt aufgesetzt, ihr Gespräch mit Lesern der „Freien Presse“ in Chemnitz wie ein Alibi. Auch für die Kanzlerin gilt: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

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