Sardinien: Kritik an Vorwarnsystem Viele Fragen nach der Flut

Cagliari·Rom (wk). Sardinien ist schwer getroffen von dem Hochwasser, das der Präsident der Region Ugo Cappellacci eine Jahrtausendflut nannte, und die Flut traf die Menschen völlig unvorbereitet. „Wir saßen beim Abendessen, da standen wir plötzlich mit den Füßen im Wasser“, berichtete ein Mann dem Fernsehsender Rai News.
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Von WESER-KURIER

Sardinien ist schwer getroffen von dem Hochwasser, das der Präsident der Region Ugo Cappellacci eine Jahrtausendflut nannte, und die Flut traf die Menschen völlig unvorbereitet. „Wir saßen beim Abendessen, da standen wir plötzlich mit den Füßen im Wasser“, berichtete ein Mann dem Fernsehsender Rai News. „Binnen zwei Stunden ist ein Inferno losgebrochen“, schilderte der Bürgermeister von Olbia, Gianni Giovannelli. Immense Schäden, 16 Tote – in die Verzweiflung und Trauer mischt sich Wut. „Warum sind wir nicht vor dem Unwetter gewarnt worden?“, fragten Anwohner. „Ich lebe seit 40 Jahren in Olbia, ich habe so was noch nie gesehen“, sagte eine Frau der Ansa. „Wenn die Bereiche in der Nähe des Flusses gefährdet sind, warum hat uns der Zivilschutz nicht gewarnt?“

Tatsächlich gab es am Sonntagnachmittag gut zwölf Stunden vor Beginn des Regens eine Unwetterwarnung. Der oberste Katastrophenschützer Franco Gabrielli weist aber Vorwürfe zurück. Seine Behörde habe die Information an die Regionen weitergegeben, diese hätten die Kommunen warnen müssen. Mehrfach seien nach Wetterwarnungen des Katastrophenschutzes Häuser evakuiert worden, „und dann ist nichts passiert“, sagt wiederum der Bürgermeister des schwer getroffenen Ortes Torpè, Antonella Dalu. Umweltminister Andrea Orlando verteidigte die Behörden. Doch der Präsident des Umweltausschusses im Senat, Giuseppe Marinello, will Aufklärung und Gabrielli im Ausschuss anhören. Die Flut auf Sardinien sei sicher sehr außergewöhnlich. „Aber wir sind es leid, am Tag danach die Opfer zu beweinen, ohne dass in den Monaten davor die Bedingungen geschaffen wurden, die Tragödie zu vermeiden“, sagte er mit Blick auf ähnliche Katastrophen in früheren Jahren. Dazu gehören nicht nur ein funktionierendes Warnsystem und Notfallpläne, sondern auch ein langfristiger Hochwasserschutz. Damit liegt es laut der Umweltorganisation Legambiente vielerorts im Argen: Mehr als 6600 Gemeinden hätten Gebiete mit erhöhtem Risiko für Erdrutsche oder Überschwemmungen, Millionen Menschen lebten dort. Das Risiko für Starkregen sei drastisch gestiegen, Bodenversiegelung und Flächenverbrauch verschärften die Gefahr. Dennoch seien in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Milliarden Euro in Prävention gesteckt worden.

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