Foley-Mörder offenbar identifiziert Vom Rapper zum IS-Schlächter

London. Von offiziellen Stellen wird es noch nicht bestätigt, aber wie mehrere britische Medien übereinstimmend berichten scheint der Mörder des amerikanischen Journalisten James Foley identifiziert zu sein: Es soll sich um den Briten Abdel-Majed Abdel Bary handeln, einen 23 Jahre alten ehemaligen Rapper aus London, der sich im letzten Jahr der islamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen hatte. Vor Kurzem hatte Abdel Bary ein Foto von sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Menschenkopf in der Hand hält.
26.08.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von JOCHEN WITTMANN

Von offiziellen Stellen wird es noch nicht bestätigt, aber wie mehrere britische Medien übereinstimmend berichten scheint der Mörder des amerikanischen Journalisten James Foley identifiziert zu sein: Es soll sich um den Briten Abdel-Majed Abdel Bary handeln, einen 23 Jahre alten ehemaligen Rapper aus London, der sich im letzten Jahr der islamistischen Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen hatte. Vor Kurzem hatte Abdel Bary ein Foto von sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Menschenkopf in der Hand hält. In einer anderen Twitter-Nachricht vom Juni hatte er gedroht: „Die Löwen werden euch dreckige Ungläubige holen. Macht euch bereit für Enthauptungen in eurem eigenen Hinterhof.“

Die britischen und amerikanischen Geheimdienste untersuchen mit Hilfe von Stimmerkennungs-Technologie und computerunterstützter Topographieanalyse das IS-Propaganda-Video, auf dem Foleys Hinrichtung gezeigt wurde. Der deutliche Akzent des messerzückenden und mit einem schwarzen Schal vermummten Sprechers – der für London typische Cockney-Tonfall – weist auf Bary. Er hatte, bevor er 2013 nach Syrien ging, unter den Künstlernamen „L Jinny“ Rap-Songs veröffentlicht, die auch heute noch im Internet zugänglich sind. Darin singt er über das Leben in Sozialsiedlungen, Gewalt und Drogen, aber auch über seine Familie, der die Abschiebung nach Ägypten drohen würde.

Vater unter Terroranklage

Sein Vater Adel Bary war schon 2012 an die USA ausgeliefert worden, wo er sich wegen der mutmaßlichen Beteiligung an Al-Kaida-Angriffen im Jahr 1998 auf amerikanische Botschaften in Tansania und Kenia verantworten muss. In einem seiner letzten Musikvideos vom März bezieht Abdel Bary sich auf diese Erfahrung: „Ich schwöre, an dem Tag, als sie kamen, um meinen Vater zu holen, hätte ich einen Polizisten oder zwei töten können.“

Mindestens 500 britische Dschihadisten sollen sich mittlerweile in Syrien und Irak aufhalten. Die Ausrufung des Kalifats durch den IS hat den Terror-Tourismus zusätzlich angeheizt: Jeden Monat, so die Schätzung der Geheimdienste, machen sich etwa zwanzig junge Briten in den Nahen Osten auf, um dort zu kämpfen. Das Foley-Hinrichtungsvideo hat in Großbritannien großes Entsetzen ausgelöst und die Haltung gegenüber einem militärischen Engagement geändert. War vor Jahresfrist noch eine deutliche Mehrheit gegen eine militärische Intervention, befürworten jetzt 45 Prozent der Briten zumindest Luftangriffe auf IS-Ziele.

Der Bürgermeister von London, Boris Johnson, forderte am Montag radikale Maßnahmen. Die grundsätzliche Unschuldsvermutung solle bei mutmaßlichen Dschihadisten aufgehoben werden: Zukünftig müsse gelten, dass „jeder, der ein Krisengebiet besucht, ohne vorher die Behörden zu informieren, es für einen terroristischen Zweck getan hat“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+