Die AfD fällt wieder einmal mit erzkonservativen Sprüchen auf Von Storch im Abseits

Berlin. Mit Geläster über Fußballidole gewinnt man keine Sympathiepunkte. Das hat die AfD in der Gauland-Boateng-Affäre lernen müssen.
09.07.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Anne-Beatrice Clasmann

Berlin. Mit Geläster über Fußballidole gewinnt man keine Sympathiepunkte. Das hat die AfD in der Gauland-Boateng-Affäre lernen müssen. Umso erstaunlicher, dass die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch nun mit einem bösen Spruch über die „NATIONALMANNSCHAFT“ in die gleiche Kerbe haut wie vor ihr schon Parteivize Alexander Gauland.

Eine gezielte Provokation, die mit der Parteispitze abgesprochen war, war das nicht. Denn eigentlich wollte die AfD das Thema Fußball meiden. Nachdem Gauland im Mai mit Äußerungen über den Nationalspieler Jérôme Boateng eine Bauchlandung gemacht hat. Doch Beatrix von Storch ist bei der AfD so etwas wie die lose Kanone an Deck. Die Europaparlamentarierin ist erzkonservativ, meinungsstark und hyperaktiv im Netz. Als klar wird, dass die deutsche Elf den Einzug ins EM-Finale nicht schaffen wird, twitterte sie los: „Vielleicht sollte nächstes mal dann wieder die deutsche NATIONALMANNSCHAFT spielen.“

Die Twitter-User fragen sich: Ist von Storch auf dem gleichen Trip wie Gauland? Der hat seine Bemerkung über Boateng („Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“) zwar inzwischen relativiert. Später hat er dann aber zugegeben, dass er mit der deutschen Elf fremdelt. Nicht nur, weil er keine Ahnung von Fußball hat, sondern auch, weil dort Männer spielen, die ausländische Wurzeln haben und wie Mesut Özil nach Mekka pilgern.

Von Storch gehe es aber gar nicht um die Herkunft der Spieler, sondern um etwas anderes, sagt ein Parteikollege. Sie habe sich schon vor dieser Europameisterschaft darüber geärgert, dass überall nur noch von „Der Mannschaft“ die Rede sei und nicht mehr wie früher von der „deutschen Nationalmannschaft“. Trotzdem: Auch einige Parteikollegen finden, von Storch habe mir ihrem inzwischen gelöschten Tweet wieder einmal mangelndes Gespür bewiesen.

Öffentlich kommentieren wollen das die meisten AfD-ler aber dann doch lieber nicht. Wer kann, geht auf Tauchstation. Der Thüringer Landeschef Björn Höcke – bei der AfD sonst zuständig für alles „Nationale“ – hat sich schon in die Parlamentsferien verabschiedet. Höcke beherrscht die klassische Schrittfolge der AfD perfekt: Erst provozieren, dann relativieren. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.

Mit Begriffen wie „entartet“, „Volksverräter“ oder „Flüchtlingstsunami“ ködert die Partei die Wütenden und Frustrierten vom rechten Rand. Wird der öffentliche Empörungssturm allzu heftig, rudern die Parteistrategen wieder ein Stück zurück: War doch gar nicht so gemeint. Wenn gar nichts mehr hilft, muss der bürgerlich-seriöse Parteivorsitzende Jörg Meuthen zur Schadensbegrenzung ran.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte den Begriff „Die Mannschaft“ vor gut einem Jahr als neuen Namen für die Nationalelf präsentiert. Er sollte den großen Zusammenhalt des Teams ausdrücken. Zusammenhalt ist hingegen kein großes Thema der AfD. Die Partei profitierte bei den letzten Wahlen eher von den Rissen in der Gesellschaft.

Auch parteiintern war von Teamgeist zuletzt nur wenig zu spüren. Ein Großteil der Querelen in den Führungsgremien der Partei hat mit Rivalitäten und persönlichem Machtstreben zu tun. Und auch die Frage, wie weit rechts sich die AfD denn eigentlich positionieren sollte, ist noch nicht abschließend geklärt.

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