Autobomben explodieren in Homs / Weiter Luftangriffe auf Aleppo Von Waffenruhe weit entfernt

Damaskus. Eine Feuerpause sieht anders aus. Anstatt der Waffenruhe, die am Wochenende in Syrien hätte in Kraft treten sollen, explodierten am Sonntag mehrere Autobomben in Homs und wurden weiter Luftangriffe auf Aleppo geflogen.
22.02.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Waffenruhe weit entfernt
Von Birgit Svensson

Eine Feuerpause sieht anders aus. Anstatt der Waffenruhe, die am Wochenende in Syrien hätte in Kraft treten sollen, explodierten am Sonntag mehrere Autobomben in Homs und wurden weiter Luftangriffe auf Aleppo geflogen. Keine Seite denkt daran, sich an die Abmachung von München bei der Sicherheitskonferenz vor einer Woche zu halten.

Die Explosionen in Homs ereigneten sich in dem vor allem von der religiösen Minderheit der Alawiten bewohnten Viertel Al-Zahra. Zu dieser gehört auch der syrische Präsident Baschar al-Assad. Beobachter sprechen von einem der größten Anschläge auf die regierungsnahe religiöse Minderheit seit Beginn des Syrienkriegs vor fünf Jahren. Nach Angaben von Menschenrechtlern wurden mehr als 140 Menschen getötet. Die einstige Rebellenhochburg Homs wird inzwischen größtenteils von syrischen Regierungstruppen kontrolliert. Die Terrormiliz Daesch bekannte sich in zunächst nicht überprüfbaren Online-Botschaften zu den Taten.

In Aleppo ist es umgekehrt. Dort versuchen die Truppen Assads wieder Fuß zu fassen. Mit Hilfe russischer Luftangriffe haben sie in den vergangenen Tagen viel Boden gutgemacht. Unvermindert gehen die Bombardements weiter. Dass die Waffen demnächst schweigen werden, glaubt in Aleppo derzeit niemand.

Und doch gehen die Bemühungen auf politischer Ebene weiter. Die Feuerpause könnte in den nächsten Tagen beginnen, heißt es aus der jordanischen Hauptstadt Amman. Dort ist US-Außenminister John Kerry und hat mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow telefoniert. Eine „grundsätzliche vorläufige Einigung über eine Einstellung der Kampfhandlungen“ sei dabei herausgekommen, sagte der Amerikaner. Diplomatischer kann man die Unverbindlichkeit nicht ausdrücken. Assad will nur zustimmen, wenn die „Terroristen“ die Waffenruhe nicht ausnutzen, um ihre Stellungen zu verbessern. Außerdem müssten andere Länder, vor allem die Türkei, aufhören, die Aufständischen mit Waffen und logistischer Hilfe zu unterstützen. Als „Terroristen’“ bezeichnet der Diktator in Damaskus schon seit Beginn des Aufstandes gegen ihn alle, die sich daran beteiligen: mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung. Bislang sind alle Versuche, eine Waffenruhe im vom Bürgerkrieg zerrissenen Land auszuhandeln, gescheitert. Stattdessen dreht sich die Spirale der Gewalt immer schneller. Aus zunächst friedlichen Demonstrationen ist ein komplexer Krieg erwachsen, der sich mehr und mehr zu einem Weltkrieg ausweitet.

Nicht nur aus der Luft greifen mittlerweile bis zu 40 Länder Ziele in Syrien und auch im Irak an. Auch am Boden tummelt sich bereits die halbe Welt. Die iranischen Al-Quds-Brigaden kämpfen schon seit langem an der Seite Assads, genauso wie die libanesische Hizbollah und Mitglieder der Schiitenmilizen aus dem Irak. Nun sollen sogar auch russische Soldaten zum Einsatz kommen, trotz entgegengesetzter Beteuerungen des russischen Präsident Wladimir Putin. Das legen Aufnahmen nahe, die das Moskauer Conflict Intelligence Team ausgewertet hat, ein Verbund russischer Internetaktivisten. Eines der Videos zeigt einen Russisch sprechenden Offizier, der die Gefechte beobachtet, die offenbar in der Provinz Latakia nahe der Grenze zur Türkei im Gange sind.

So warnt denn auch Assad vor allem die Türkei vor der Unterstützung der Aufständischen. Denn zusammen mit Saudi-Arabien und den Emiraten haben die Türken ihren Willen bekundet, in Kürze direkt ins Kriegsgeschehen eingreifen zu wollen und Bodentruppen zum Einsatz zu bringen. Von Anfang an hatte sich der türkische Staatspräsident auf die Seite der Rebellen und gegen Assad gestellt, was ihm jetzt den Vorwurf einbringt, die Entwicklung von Daesh toleriert zu haben.

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