Massive Ausschreitungen: In Brasilien wächst der Protest gegen die WM und besonders gegen die FIFA

Vorboten des Zorns

São Paulo. Ein Autohaus eines WM-Sponsors wurde verwüstet, Panini-Sammelalben gingen in Flammen auf. Erste Vorboten dessen was in Brasilien in den nächsten Wochen zu erwarten ist, waren in der Nacht zu gestern zu spüren, als Demonstranten im Rahmen eines „Internationalen Kampftages gegen die WM“ erstmals die Muskeln spielen ließen.
17.05.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von TOBIAS KÄUFER
Vorboten des Zorns

In Rio de Janeiro verbrannten WM-Gegner Panini-Sammelalben.

Antonio Lacerda, dpa

Ein Autohaus eines WM-Sponsors wurde verwüstet, Panini-Sammelalben gingen in Flammen auf. Erste Vorboten dessen was in Brasilien in den nächsten Wochen zu erwarten ist, waren in der Nacht zu gestern zu spüren, als Demonstranten im Rahmen eines „Internationalen Kampftages gegen die WM“ erstmals die Muskeln spielen ließen.

Der Zorn des Volkes, der schon vor einem Jahr beim Confed-Cup, der WM-Generalprobe, durch das Land geschwappt war, ist zurück. War zuerst die brasilianische Politik die alleinige Zielscheibe, wird es nun mehr und mehr die FIFA. Die Sponsoren werden dem Weltverband nun unbequeme Fragen stellen. Lohnt es sich überhaupt, in eine Veranstaltung zu investieren, wenn sich der Zorn der Menschen gegen die eigene Marke richtet. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff versucht sich, als verständnisvolle Gesprächspartnerin zu präsentieren. Konflikte seien keine Schande, man müsse allerdings etwas dagegen unternehmen und die Ursachen bekämpfen.

Der Weltverband scheint unvorbereitet. Als im letzten Jahr die ersten Plakate „FIFA go Home“ auftauchten, ignorierte Präsident Joseph Blatter zunächst die Proteste, dann verharmloste er sie und schließlich wusch er seine Hände in Unschuld: Für die Sicherheit sei der Staat zuständig. Ein Jahr ist seitdem vergangenen – geändert hat sich nichts. Wöchentlich treffen sich die Aktivisten der sogenannten „Volks-Komitees“ und planen den Protest, und niemand ist da, der die Position der FIFA verteidigt, auch nicht in der brasilianischen Politik. Die Sprachlosigkeit hat Folgen: Der Weltverband wird mittlerweile wie ein multinationaler Großkonzern wahrgenommen, der sich wie ein Heuschreckenschwarm über einen Getreideacker hermacht, alles niederfrisst und weiterzieht zum nächsten Feld.

Rund zehn Milliarden Euro investierte Brasilien nach offiziellen Angaben in die WM. Experten gehen von weitaus höheren Kosten aus. Die heftigen und abgestimmten Proteste in São Paulo oder Rio de Janeiro sind ein Vorgeschmack auf das, was bald folgen könnte. Wer brasilianische Freunde in den sozialen Netzwerken hat, spürt wie die Atmosphäre kippt. So bahnen sich die Botschaften der WM-Gegner den Weg in die Mitte der Gesellschaft. Und wie vor einem Jahr engagieren sich vor allem junge Menschen.

Nicht nur die Nationalteams haben mit der WM-Vorbereitung begonnen, auch die Protestbewegung geht ins Trainingslager. Die FIFA hat unterdessen eine Notfallstrategie entwickelt. Eine Versicherungs-Police in Höhe von 900 Millionen Dollar soll den Weltverband gegen eine Verschiebung oder einen teilweisen Ausfall der WM absichern. Die Police bietet Schutz gegen Terrorismus, Naturkatastrophen, Epidemien, Kriege, Unfälle und Unruhen.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+