Kommentar über Frauen in der CDU

Es geht gerade erst los

Es ist irritierend, dass zur Vorsitzendenwahl bei der CDU drei Männer kandidieren, aber keine Frau. Das hat auch viel mit parteiinternen Strukturen zu tun, meint Anja Maier.
13.01.2021, 20:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Anja Maier

Wenn am Samstag die 1001 Parteitagsdelegierten ihren neuen Vorsitzenden wählen, beginnt nicht nur ein neues Kapitel in der Geschichte der CDU. Es endet auch die Zeit der Frauen. Annegret Kramp-Karrenbauer verlässt das Konrad-Adenauer-Haus, Angela Merkels Kanzlerschaft neigt sich ihrem Ende zu.

Der Parteivorsitz wird von drei Männern aus Nordrhein-Westfalen angestrebt. Und es ist alles andere als ausgemacht, dass nicht auch noch Markus Söder oder Jens Spahn am Ende Kanzlerkandidat der Union werden könnten. Damit läge dann die Führung der Union vollständig in den Händen von Männern.

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Jenen, die meinen, damit ende bei den Konservativen eine gleichstellungspolitische Ära, sei gesagt: Die CDU war nie etwas anderes als eine Männerpartei. Angela Merkel, die stets als lebender Beweis für Geschlechtergerechtigkeit herhalten musste, war 1998 ursprünglich als Trümmerfrau angetreten. Sie übernahm in einem Moment größter Unordnung die Parteiführung. Vorsitzende bleiben sollte sie nur solange, bis Gras über den CDU-Spendenskandal gewachsen war und einer der bestens vernetzten Parteigranden reif fürs Kanzleramt sein würde. Es kam bekanntlich anders.

Auch Annegret Kramp-Karrenbauer ist nach vorn gegangen, als niemand ein Stück Brot von der CDU angenommen hätte. 2018 war das Jahr, in dem in Berlin mit Ach und Krach eine Große Koalition zusammengeschustert worden war. Im Parlament saß erstmals die rechtspopulistische AfD als stärkste Oppositionsfraktion, was wiederum bei CDU und CSU zu hitzigen Diskussionen über den politischen Kurs führte. Innenminister Horst Seehofer (CSU) drohte gar in der Geflüchtetendebatte mit Rücktritt. Die Wählerschaft quittierte den Zoff mit schlechten Umfrage- und Wahlergebnissen; nach der Hessen-Wahl gab die massiv geschwächte Merkel ihr Parteiamt ab.

Gut vernetzte Frauen-Union

Dass dann beim Parteitag 2018 Annegret Kramp-Karrenbauer die Stichwahl mit 51,75 Prozent gegen Friedrich Merz gewann, war weiß Gott kein Triumph. Zu verdanken hatte AKK diesen Herzschlagsieg den Frauen ihrer Partei. Ohne die gut vernetzte Frauen-Union, die knapp ein Drittel der Delegierten stellt, hätte das nie und nimmer geklappt.

Um so irritierender, dass sich bei der nächsten Vorsitzendenwahl in der Riesenpartei CDU nicht eine einzige Frau gefunden hat, die sich den Vorsitz zutraut. Das hat mehrere Gründe. Zum einen fehlt die politische Kultur. Für eine CDU-Frau, die sich ein Amt zutraut, stehen drei Männer bereit, die sie anschließend bekämpfen würden. Schafft sie es dennoch, tut sie so, als sei ihr Geschlecht Nebensache. Selbst Merkel hat stets vermieden, sich auf ihre Vorbildrolle als Frau festlegen zu lassen – dies hätte Schwäche signalisiert.

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Zum Zweiten ist die parteiinterne Struktur unattraktiv. Mitglied der Frauen-Union wird man automatisch, Frauen müssen das nicht einmal wollen. Und: Sich hier zu engagieren, schützt nicht vor Angriffen. Selbst eine prominente FU-Vertreterin wie die Bremer Bundestagabgeordnete Elisabeth Motschmann wird irgendwann unter Altersverdacht zum Rückzug gedrängt.

Echte Chancengleichheit statt Quote

Zudem: Unter jüngeren CDU-lerinnen umweht die Frauen-Union ein Hauch von Kaffeefahrt. Es gehört in der Jungen Union zum guten Ton, gegen eine verbindliche Frauenquote zu sein. Die Bremer JU-Vorsitzende Wiebke Winter twittert lieber #mehrmädels und setzt auf echte Chancengleichheit statt Quote. Sie meint, Verantwortung sollten jene übernehmen, „die die besten Ideen haben, nicht das passende Geschlecht“. Doch selbst Winter bedauert, dass keine Frau sich den CDU-Vorsitz zutraut.

Immerhin scheint mittlerweile auch der Letzte in der Partei verstanden zu haben, dass Frauen nicht länger die CDU wählen, wenn diese weder Macht- noch Gestaltungsoptionen anbieten kann. Ein Antrag der Struktur- und Satzungskommission sieht ab 2021 eine Anhebung der Frauenquote auf 50 Prozent bis 2025 vor – abgestimmt wird er beim Parteitag nicht. Und selbst die Junge Union schickt drei Frauen ins Rennen für den erweiterten Bundesvorstand. Unter ihnen ist auch Winter. Es geht also gerade erst los.

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