Nach dem Super-Dienstag in den USA

Was ein Wahlsieg von Donald Trump bedeuten würde

Manche sagen, Donald Trump sei nicht viel mehr als ein Polit-Clown, dem es nur darum gehe, seinen Narzissmus im Weißen Haus auszuleben. Doch hinter seinem Wahlkampf steckt mehr. Eine Analyse.
03.03.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Was ein Wahlsieg von Donald Trump bedeuten würde
Von Thomas Spang

Manche sagen, Donald Trump sei nicht viel mehr als ein Polit-Clown, dem es nur darum gehe, seinen Narzissmus im Weißen Haus auszuleben. Doch hinter seinem Wahlkampf steckt mehr. Eine Analyse.

Über Donald Trump gibt es eine Menge Mythen. Dazu gehört die Vorstellung, der blondierte Milliardär sei nicht viel mehr als ein Polit-Clown, der bloß sage, was ihm Beifall eintrage. Trump sei ein Mann ohne Prinzipien und Programm, dem es mehr darum gehe, seinen Narzissmus im Weißen Haus auszuleben, als wirklich zu regieren.

Die Vorstellung scheint tröstlich angesichts des nach diesem Super Tuesday nur noch schwer aufzuhaltenden Marschs zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Leider führt sie auf die falsche Fährte. Eine kritische Auseinandersetzung mit den politischen Ideen Trumps fördert eine ganz andere Erkenntnis zutage. Der Kandidat hat über die vergangenen 30 Jahre eine bemerkenswert konsistente Weltsicht, die er als Präsident mit ins Weiße Haus brächte.

Lesen Sie auch

"Amerika über alles"

Trumps Leitmotiv lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Amerika über alles. Er ist zutiefst unglücklich über die internationale Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. „Sein Ausgangspunkt und das bestimmende Gefühl seiner Außenpolitik ist Ärger“, sagt Thomas Wright von der Denkfabrik „Brookings Institution”.

Dieser richte sich nicht gegen die Feinde der USA, sondern gegen die Freunde. In einem Interview mit dem Magazin „Playboy” erklärte Trump schon 1990, was er in seinen Wahlkampfreden mal gegen Japan, Südkorea, Saudi-Arabien oder Deutschland gerichtet wiederholt. Ein Präsident Trump würde, so der Interviewte, „unseren Alliierten nicht trauen. Er hätte ein gewaltiges Militärarsenal, perfektionierte es, verstünde es. Ein Teil des Problems ist, dass wir einige der reichsten Länder der Welt für nichts verteidigen“.

Lesen Sie auch

Als Präsident hätte Trump die Macht, bestehende Allianzen wie die Nato infrage zu stellen und Bedingungen für die Gewähr amerikanischer Militärhilfe oder Sicherheitsgarantien zu stellen. Trump sieht die Welt mit den Augen eines Führers aus dem 19. Jahrhundert. Er bewundert autokratische Herrscher wie Wladimir Putin und Diktatoren wie Saddam Hussein. Zur blutigen Niederschlagung des Massakers auf dem Tiananmen-Platz meinte er in dem „Playboy“-Interview, die chinesische Führung habe damit Stärke bewiesen. „Unser Land wird im Moment als schwach angesehen.“

Trump zitiert Mussolini

Diese Ansichten haben sich nicht geändert. Vor dem Super Tuesday zitierte er Mussolini und geißelte Präsident Barack Obama als jemanden, der „fürchterliche Deals” gemacht habe. Auf die Frage eines Fernsehreporters, wie er jemanden wie Putin bewundern könne, der Journalisten umbringen lasse, meinte Trump: „Er ist wenigstens ein Führer, im Unterschied zu dem, was wir in diesem Land haben.”

Lesen Sie auch

Im Wahlkampf wettert Trump gegen US-Konzerne wie Apple, die im Ausland produzieren, droht Strafzölle auf Produkte aus Mexiko an und verspricht, neue Freihandelsabkommen zu verhindern. Sein Protektionismus ist das wirtschaftliche Äquivalent zu dem Versprechen, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen und die elf Millionen Einwanderer ohne Papiere zu deportieren. Ein Präsident Trump lässt eine im Kern national-chauvinistische Politik erwarten, die Amerika nicht großartig, sondern hässlich machte und die Stabilität der internationalen Ordnung riskierte. Diese Gefahren zu ignorieren oder herunterzuspielen, wäre sträflich.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+