Kommentar über schlechte Luft Was für eine Blamage

Was für eine Blamage für eine Nation, die stolz auf ihre technische Kompetenz ist. Haben Politiker und Hersteller keine Antwort auf die Luftverschmutzung durch den Verkehr, fragt Detlef Drewes.
17.05.2018, 21:27
Lesedauer: 1 Min
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Was für eine Blamage
Von Detlef Drewes

Es musste ja so weit kommen. Mit beharrlicher Ignoranz hat die Bundesregierung alle Mahnungen aus Brüssel überhört und offenbar gedacht, ein bisschen dreckige Luft werde nicht so schlimm sein. Also ließ man die Autobauer gewähren, mochte sie selbst nach der Aufdeckung der übelsten Betrügereien der Branche nicht bestrafen. Nach dem Motto: Schlechte Luft sieht man nicht, spürt man nicht, also ist sie nicht da. Die Klage der Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof darf als Quittung gewertet werden. An die Stelle effizienter Lösungen für die besonders belasteten Innenstädte trat ein weitgehend unsinniger und überzogener Streit um den Dieselantrieb. Dass an den Stickstoffdioxid-Belastungen auch hochgezüchtete Benzin-Motoren beteiligt sind, überhörten alle geflissentlich. Auch darauf hat Brüssel mehrfach hingewiesen.

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Was nun kommen wird? Fahrverbote, natürlich. Die bringen zwar wenig, weil sie den Verkehr nur verlagern. Aber sie werden die Belastung in den besonders schwierigen Regionen drücken. Das klingt gut, vermeidet Bußgelder von den Luxemburger Richtern. Mit einer langfristigen Lösung hat das nichts zu tun. Gesucht werden dauerhaften Antworten auf die Frage, wie individuelle Mobilität bei gleichzeitigem Senken der Umweltbelastung durch Fahrzeuge erreicht werden kann. Die Klage der Brüsseler EU-Kommission ist ein Warnschuss. Für die Politiker auf allen Ebenen, die begreifen müssen, dass sich Bund, Länder und Kommunen nicht länger mit gegenseitigen Schuldzuweisungen aus der Affäre ziehen dürfen. Für die Hersteller, die begreifen müssen, dass sie die Autos, die sie heute bauen, künftig nicht mehr verkauft bekommen. Die Kunden begreifen, dass es demnächst Verkehrsbereiche gibt, die für diese Fahrzeuge tabu sind. Deutschland als weltgrößter Hersteller moderner Autos wird als Produktionsstätte gesundheitsschädigender Motoren bloßgestellt und sitzt auf der Anklagebank. Was für eine Blamage für eine Nation, die stolz auf ihre technische Kompetenz ist. Haben unsere Politiker und Hersteller wirklich keine Antwort auf die Luftverschmutzung durch den Verkehr zu bieten?

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