Kritik für Abtreibungs-Statement Was hat Donald Trump für ein Problem mit Frauen?

Mit Äußerungen über Abtreibungen hat Donald Trump für Empörung gesorgt - bei Gegnern und Befürwortern. Der US-Präsidentschaftskandidat ätzt derweil weiter gegen zahlreiche Kritiker - vor allem Frauen.
01.03.2016, 00:00
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Was hat Donald Trump für ein Problem mit Frauen?
Von Thomas Spang

Mit Äußerungen über Abtreibungen hat Donald Trump für Empörung gesorgt - bei Gegnern und Befürwortern. Der US-Präsidentschaftskandidat ätzt derweil weiter gegen zahlreiche Kritiker - vor allem Frauen.

Selbst sein Wahlkampfteam hält die Luft an, als sich Donald Trump dazu verleiten lässt, über die Konsequenzen eines Abtreibungsverbots in den USA zu spekulieren. „Sie sind auf dem Sprung, Chef der Vereinigten Staaten zu werden“, drängt TV-Moderator Chris Matthews den Rechtspopulisten in einer „Bürgerversammlung“ mit dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber. „Glauben Sie, es sollte eine Bestrafung für Abtreibung geben – ja oder nein?“

Ohne zu zögern, antwortet Trump: „Es muss eine Form der Bestrafung geben.“ „Für die Frauen?“, hakt Matthews nach. „Yeah.“ Der Moderator will es genauer wissen: „Zehn Tage, zehn Jahre?“ Der Kandidat meint, das könne er nicht sagen. „Es ist eine komplizierte Position.“

"Er sagt alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen"

Trump hat es geschafft, mit diesen Äußerungen Gemeinsamkeit zwischen Gruppen zu schaffen, die sonst erbittert miteinander streiten. Die Wortführer des Pro-Choice-Lagers von „Planned Parenthood“ stimmen jetzt nämlich mit den Abtreibungsgegnern des „March for Life“ darin überein, dass der Kandidat „gefährlich“ weit über das Ziel hinaus geschossen hat.

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Seltene Übereinstimmung gibt es auch bei Trumps Mitbewerbern um das Präsidentenamt. Die Demokratin Hillary Clinton nennt die Positionen „furchtbar und vielsagend“. Der moderate Republikaner John Kasich findet sie „absolut verkehrt“. Und selbst der ultrakonservative Ted Cruz meint, Trump habe mal wieder nicht richtig nachgedacht: „Er sagt alles, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“

Trump rudert bei Twitter zurück

Die Berater des Rechtspopulisten ahnten Böses und üben sich in Schadensbegrenzung. Sie wissen, wie toxisch diese Äußerungen für die Wahlen im November sein können. Denn die Gesamt-Wählerschaft setzt sich anders zusammen als die der Republikaner. Laut einer aktuellen Umfrage mögen ihn 63 Prozent der Wählerinnen nicht. Gegen Clinton liegt er bei den Frauen um zwanzig Prozentpunkte zurück.

In zwei Twitter-Kommentaren versucht Trump schließlich zurückzurudern. Natürlich wolle er nicht die Frauen, sondern die Ärzte bestrafen.

Das Problem für den Kandidaten besteht darin, dass sich die jüngsten Äußerungen einreihen in eine lange Kette von Angriffen auf Frauen. Auch Cruz’ Ehefrau Heidi ist dabei in Trumps Visier geraten, der ein wenig schmeichelhaftes Bild von Heidi Cruz neben dem seiner Frau Melanie getwittert hat – verbunden mit dem Kommentar: „Die Bilder sagen mehr als Tausend Worte.“

Merkwürdige Bestrafungsfantasien

Das Muster ist immer dasselbe: Frauen, die sich nicht unterordnen wollen, werden persönlich auf die übelste Art beleidigt. Diese Erfahrung haben auch Konservative wie die TV-Moderatorin Megyn Kelly („Sie blutet“) und die frühere Hewlett-Packard-Chefin und jetzige politische Konkurrentin Carly Fiorina („Schaut Euch das Gesicht an. Würde das jemand wählen?“) gemacht.

Für reichlich Aufsehen haben auch die Unverschämtheiten gesorgt, die Trump etwa für die Feministin Rosie O’Donnell („extrem unattraktiv“) oder Mitbewerberin Clinton parat hatte. Hillary sei 2008 von Barack Obama „schlonged“ worden, suggerierte Trump. Dieser Begriff hat seine Wurzeln in dem deutschen Wort Schlange – und wird im Amerikanischen sehr vulgär für das männliche Genital gebraucht.

Die Bestrafungsfantasien Trumps reichen ebenfalls weit zurück. Für den konservativen Sender Fox hat er einmal ein Reality-TV-Konzept entwickelt, das auf der Idee basierte, „jungen Frauen, die außer Kontrolle geraten sind“, Manieren beizubringen. Selbst Fox ist das ein wenig merkwürdig vorgekommen – „Lady or a Tramp“ ist niemals auf Sendung gegangen. Ein Omen, so die Hoffnung der Trump-Kritiker, das sich nun im Rennen um das Weiße Haus wiederholen möge.

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