Kommentar über Südafrika

Was Mandela sagen würde

„Manchmal fällt es einer Generation zu, groß zu sein. Du kannst diese Generation sein“, sagte Nelson Mandela. Südafrika ist gerade dabei, seine Hoffnung zu verspielen, schreibt Hans-Ulrich Brandt.
17.07.2018, 22:41
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Was Mandela sagen würde
Von Hans-Ulrich Brandt
Was Mandela sagen würde

Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Kim Ludbrook/ dpa

Es ist ein Tag, an dem Südafrika jubelt und feiert und für Momente alle Sorgen vergisst: Nelson Mandela, der Freiheitskämpfer und erste Präsident eines demokratischen Südafrikas, wäre an diesem Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Die Welt gedenkt des Friedensnobelpreisträgers und Überwinders des Apartheidsregimes.

Von seinem Charisma zehrt das Land noch immer, auch wenn der Mann, der für Freiheit, Versöhnung und friedliche Veränderung stand, seit viereinhalb Jahren tot ist. Sein Mythos lebt weiter, die „Mandela Magie“ gibt Südafrika weiter Hoffnung. Doch um die einst so stolze Regenbogennation ist es nicht gut bestellt: Der ANC, über Jahre Südafrikas Hoffnung, ist zu einer Partei geworden, in der sich Korruption und Vetternwirtschaft ausgebreitet haben. Die Not vor allem der schwarzen Bevölkerung ist nach wie vor groß. Townships ohne fließend Wasser und Strom, ein marodes Bildungssystem und eine Arbeitslosenquote von 27 Prozent – Mandela hat den Menschen in Südafrika zwar die Freiheit gebracht, Chancengleichheit herrscht im Land am Kap der Guten Hoffnung aber auch 24 Jahre nach dem Ende der Rassentrennung nicht.

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Was würde Mandela dazu sagen? Eine seiner Antworten lautet: „Solange Armut, Ungerechtigkeit und grobe Ungleichheit in unserer Welt existieren, kann keiner von uns wirklich ausruhen.“ Seine inzwischen vier Nachfolger im Amt des Präsidenten haben sich ausgeruht, am meisten Jacob Zuma. Während er und sein Clan sich bereicherten, verlor Südafrika ein Jahrzehnt, wurde wieder zu einem gespaltenen Land. Vielleicht kann der Mann, der lange an der Seite Mandelas kämpfte, Cyril Ramaphosa also, für die dringend benötigten tief greifenden Reformen sorgen? Viel Zeit bleibt ihm nicht.

„Manchmal fällt es einer Generation zu, groß zu sein. Du kannst diese großartige Generation sein.“ Südafrika ist gerade dabei, diese von Mandela gelebte Hoffnung zu verspielen. Mit allen Konsequenzen.

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