Kommentar über den Frauentag Weiter kämpfen!

Am 8. März findet der internationale Frauentag statt. Dass es diesen gibt, ist leider auch 2017 immer noch bitter nötig, meint Redakteurin Kea Müttel.
07.03.2017, 22:00
Lesedauer: 2 Min
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Weiter kämpfen!
Von Kea Müttel

Am 8. März findet der internationale Frauentag statt. Dass es diesen gibt, ist leider auch 2017 immer noch bitter nötig, meint Redakteurin Kea Müttel.

Jedes Jahr am 8. März fangen die Diskussionen wieder an. Braucht es einen internationalen Frauentag? Ist nicht gerade die Heraushebung eines einzelnen Tages für ein Geschlecht eine Diskriminierung? Männerrunden machen Stammtischwitze, auch einige Frauen finden den Tag überflüssig.

Dass Frauen auch in Deutschland im Durchschnitt immer noch weniger verdienen als Männer in gleichwertigen Positionen, reicht offenbar als Grund für einen Frauentag nicht aus.

Im aktuellen gesellschaftlichen Klima fällt aber auch auf: Über Frauenrechte wird immer mehr gesprochen. Häufig allerdings nicht mit den betroffenen Frauen. Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht vor zwei Jahren in Köln nutzten vor allem Rechtspopulisten, um sich vordergründig für Frauen einzusetzen. In Wirklichkeit richteten sich ihre Attacken aber gegen Geflüchtete. Dass gerade die Rechtspopulisten ein rückwärts gewandtes Frauenbild propagieren und keine gleichberechtigte Gesellschaft wollen, wurde kaum thematisiert.

Auch bei dem viel beachteten Gina-Lisa-Prozess wurde die Debatte darüber, was eine Vergewaltigung ist, emotional und bundesweit geführt. Im Anschluss wurde oft positiv erwähnt, dass der Prozess, unabhängig von seinem Ausgang, das Thema überhaupt so populär gemacht habe. Das Gesetz wurde verschärft, „Nein heißt Nein“ wurde zu einem Slogan, der nicht nur feministischen Uni-Gruppen bekannt ist. Aber es gab auch eine Gegenseite. Der Hashtag „TeamGinaLisa“ wurde bei Twitter von einem frauenfeindlichen Mob gekapert, der seinem Sexismus freien Lauf ließ. Auch in anderen sozialen Netzwerken wurde Lohfink sexistisch beleidigt und bedroht. Die Debatte ließ all die ans Licht kommen, die allein die Diskussionen über Gleichberechtigung schon als Angriff auf sich selbst werten.

Sie fanden die Debatte überflüssig. Und sie finden mit Sicherheit auch den „Frauentag“ überflüssig. Dass Frauen noch immer weniger verdienen, häufiger von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen betroffen sind, interessiert sie nicht.

Dagegen gilt es weiter zu kämpfen, Männer und Frauen zusammen. Wenn der Frauentag nur einige Menschen zum Nachdenken anregt - sei es durch Debatten um die Wichtigkeit, verdeutlicht das einmal mehr seine Notwendigkeit! Auch im Jahr 2017. Leider.

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