31 Tote in Unruheprovinz Xinjiang Welle der Gewalt erschüttert China

Peking. Der Schock vom Anschlag vor drei Wochen am Hauptbahnhof mit drei Toten und 79 Verletzten sitzt vielen Menschen in Urumqi noch tief. Da kommt es in der Hauptstadt von Chinas nordwestlicher Unruheprovinz Xinjiang, in der es immer wieder zu Spannungen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen kommt, bereits zur nächsten Attacke – mit noch mehr Opfern.
23.05.2014, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Welle der Gewalt erschüttert China
Von Felix Lee

Der Schock vom Anschlag vor drei Wochen am Hauptbahnhof mit drei Toten und 79 Verletzten sitzt vielen Menschen in Urumqi noch tief. Da kommt es in der Hauptstadt von Chinas nordwestlicher Unruheprovinz Xinjiang, in der es immer wieder zu Spannungen zwischen muslimischen Uiguren und Han-Chinesen kommt, bereits zur nächsten Attacke – mit noch mehr Opfern. Wie Chinas amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, rasten gestern früh gegen 7.50 Uhr zwei Geländewagen in einen belebten Straßenmarkt. Ein Fahrzeug explodierte, beide gingen in Flammen auf. Augenzeugen berichten, dass vor dem Zusammenstoß die Angreifer Sprengsätze in die Menschenmenge warfen. Es habe mindestens ein Dutzend Explosionen gegeben. Das Staatsmedium berichtet später von 31 Toten und 90 Verletzten. Es ist Chinas vierter Anschlag innerhalb von sieben Monaten.

Minuten bevor die chinesischen Staatsmedien berichteten, kursierten über dem chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo bereits Bilder und Kurzvideos von dem Anschlag. Es sind vor allem ältere Menschen zu sehen, die blutüberströmt auf der Straße liegen. Auf einem Foto sind umgeworfene Marktstände und Karren abgebildet, im Hintergrund brennt es und dichter Rauch steigt auf.

In China sind morgens vor allem alte Menschen auf den Märkten, von denen die meisten auch nur über ein geringes Einkommen verfügen. An diesen Ständen gibt es frisches Obst und Gemüse viel günstiger als in Supermärkten. Viele halten sich dort auch auf, um sich zu unterhalten. Die Marktstraße in Urumqi befindet sich nahe dem zentralen Volksplatz im überwiegend von Han-Chinesen bewohnten Neuteil der Stadt. Die Uiguren machen nur noch eine Minderheit aus und leben zumeist in der heruntergekommenen Altstadt.

Uiguren wollen Unabhängigkeit

Wer für den Anschlag verantwortlich ist, blieb zunächst ungeklärt. Das Staatsfernsehen zitiert einen Augenzeugen, der von Protestbannern an den beiden Geländewagen berichtet. Was darauf stand, konnte er nicht sagen. „Es ging alles so schnell.“

Bei den drei Bluttaten der zurückliegenden sieben Monate gab die chinesische Regierung separatistischen Uiguren die Schuld, die sich gegen die Führung in Peking auflehnen und einen unabhängigen Staat fordern. Bekennerschreiben gab es keine. Dennoch haben chinesische Behörden für den Angriff auf den Bahnhof Ende April erst letzte Woche eine sogenannte Islamische Bewegung Ostturkistan verantwortlich gemacht.

Beweise für die Unterstützung uigurischer Dissidenten durch Islamisten aus dem Ausland legten die chinesischen Behörden aber nicht vor. Nach den Attentaten vom 11. September 2001 hatten die USA die „Islamische Bewegung Ostturkistan“ auf ihre Terrorliste gesetzt, sie aber später wieder gestrichen. Es kamen Zweifel auf, ob diese Gruppierung überhaupt existiert. Dessen ungeachtet sind die chinesischen Behörden weiter gegen Uiguren rigide vorgegangen. Mehr als 200 Menschen haben die chinesischen Behörden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen in den vergangenen Wochen in Xinjiang verhaftet. Ein Gericht in Urumqi verurteilte am Mittwoch zudem 39 mutmaßliche Extremisten wegen der angeblichen Verbreitung von Terrorvideos und des Aufrufs zur Gewalt für bis zu 15 Jahre Haft.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+