Club of Rome fordert radikalen Umschwung Weltrettung mit Prämie für kinderlose Frauen

Radikale Forderungen für einen radikalen Umschwung im Wirtschaftsdenken: Der Club of Rome will mit unkonventionellen Ideen die Welt vor dem Kollaps retten.
14.09.2016, 00:00
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Von Timot Szent-Ivanyi und Corinna Buschow

Radikale Forderungen für einen radikalen Umschwung im Wirtschaftsdenken: Der Club of Rome will mit unkonventionellen Ideen die Welt vor dem Kollaps retten.

Radikale Forderungen für einen radikalen Umschwung im Wirtschaftsdenken: Der Club of Rome, ein Thinktank mit Wissenschaftlern aus aller Welt und verschiedenen Disziplinen, ist für seine extremen Vorschläge für eine gerechtere Welt bekannt. Am Dienstag präsentierte er in Berlin sein neuestes Werk.

Es geht darin um seine Kernforderung, das Wachstum insbesondere der reichen Länder zu begrenzen, weil er darin die Ursache für ungerechte Verteilung und den Klimawandel sieht. „34 Grad im September in Berlin, das ist nicht normal“, sagte Jorgen Randers, einer der Autoren, bei der Präsentation, für die zur Mittagszeit ein Saal unter dem Dach der Berliner Kalkscheune ausgesucht wurde.

Ein Prozent ist genug

Vor knapp 45 Jahren erregte der Club of Rome – ein Zusammenschluss namhafter Experten aus über 30 Ländern – mit der Studie „Die Grenzen des Wachstums“ weltweit Aufmerksamkeit. Die Kernbotschaft: Wenn die Menschheit so weiter macht wie bisher, werden wir uns bald selbst zerstören. Nur wenn das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum umgehend begrenzt und der Umweltschutz massiv ausgeweitet werde, ließe sich eine Katastrophe verhindern, so die damalige Botschaft.

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Nun haben einige der damaligen Autoren diese Problematik erneut aufgegriffen. „Ein Prozent ist genug – Mit wenig Wachstum soziale Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Klimawandel bekämpfen“, so der Titel des neuen Berichts. Viele der dort erhobenen Forderungen klingen durchaus plausibel, sie dürften jedoch kaum durchsetzbar sein. Andere Vorschläge erscheinen sogar ziemlich krude. Trotz – oder gerade wegen – der Forderungen aus dem Bericht von 1972 habe es international eine regelrechte Gehirnwäsche gegeben, beklagte Randers bei der Vorstellung des neuen Berichtes.

Zügelloses Wachstum als Allheilmittel verkauft

Zügelloses Wirtschaftswachstum sei den Menschen von den Regierungen als Allheilmittel verkauft worden, sagte Randers, der zu den Autoren der 1972er-Studie gehörte. Doch trotz des Wachstums habe die Ungleichheit auf der Welt zugenommen, die Arbeitslosigkeit sei gestiegen und der Klimawandel habe sich verschärft. „Alle Wirtschaftsexperten haben uns versprochen, dass die Probleme kleiner werden, aber es ist schlimmer geworden“, so Club-of-Rome-Generalsekretär und Mitautor Graeme Maxton. „Das Wirtschaftswachstum ist nicht die Lösung, sondern die Ursache des Problems“, lautet sein Fazit.

Die Autoren haben 13 Forderungen aufgestellt, um Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Um die Treibhausgas-Emission zu verringern, verlangen sie unter anderem „grüne Konjunkturpakete“, mit denen der umweltfreundliche Umbau der Wirtschaft forciert werden soll. Arbeitnehmer sollen gefördert werden, wenn sie in einen umweltfreundlichen Berufe wechseln. Zudem soll nicht mehr das Arbeitseinkommen besteuert werden, sondern der Ressourcenverbrauch, was höhere Abgaben für fossile Brennstoffe einschließt.

Im Zusammenhang mit dem Klimaschutz fordern die Autoren zudem eine Begrenzung der Geburtenrate nach chinesischem Vorbild: Sie plädieren dafür, eine Unterstützung für Familien nur zu gewähren, wenn die Frau maximal ein Kind bekommt. Mit dieser Geburtenbegrenzung müsse nicht in den Entwicklungsländern angefangen werden, sondern im Westen, verlangte Randers. Seine gewöhnungsbedürftige Argumentation: Ein Kind, das im Westen aufwachse, verbrauche 30-mal mehr Ressourcen als ein Kind in einem armen Land. „Einer Welt mit einer geringeren Bevölkerung geht es besser“, heißt es in der Studie. Die reichen Länder sollten mit der Geburtenkontrolle zum Vorbild für den Rest der Welt werden.

Ungewöhnliche Ideen

Auch zur Überwindung der Ungleichheit haben die Autoren ungewöhnliche Ideen. Neben einer stärken Belastung von Unternehmen und Reichen zum Beispiel durch eine höhere Erbschaftsteuer schlagen sie eine Verlängerung des gesetzlichen Jahresurlaubs vor. Damit wollen sie erreichen, dass die Arbeit gerechter verteilt wird. „Anstatt, dass 90 Prozent der Erwerbsfähigen in Vollzeit arbeiten und pro Jahr 30.000 Dollar verdienen, besteht unser Ziel darin, dass 100 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung einen Arbeitsplatz haben, der dann nur mit 27.000 Euro im Jahr vergütet wird“, schreiben sie in ihrem Bericht. In der Praxis dürfte eine derartige Neuverteilung der Arbeit jedoch zum Beispiel an der Qualifikation der Beschäftigten scheitern. Merkwürdig erscheint dann auch die gleichzeitig erhobene Forderung der Autoren, das Renteneintrittsalter deutlich zu erhöhen. Denn damit steigt im Zweifel die Arbeitslosigkeit, weil mehr Menschen um die begrenzte Zahl von Jobs konkurrieren.

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