Studie zum Drogenkonsum junger Leuten Weniger Alkohol, mehr Cannabis

Junge Menschen rauchen und trinken immer weniger und konsumieren kaum noch harte Drogen. Doch jeder dritte junge Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche hat Erfahrungen mit dem Kiffen.
07.04.2016, 08:09
Lesedauer: 2 Min
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Von Timot Szent-Ivanyi und Birgit Zimermmann

Klagen über eine verdorbene, zuchtlose Jugend gehören seit Jahrhunderten zum Standardrepertoire von Moralaposteln. Zumindest beim Thema Drogen und Suchtmittel stimmt die These inzwischen nachweislich nicht mehr: Jugendliche und junge Erwachsene rauchen und trinken immer weniger und konsumieren kaum noch harte Drogen. Das ist das Ergebnis der neuen „Drogenaffinitätsstudie“, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung am Mittwoch vorgestellt haben.

Am markantesten ist die Entwicklung beim Rauchen. Nur noch knapp acht Prozent der Zwölf- bis Siebzehnjährigen greifen zur Zigarette. Das ist der niedrigste Stand seit den ersten Vergleichsstudien der Bundeszentrale in den 70er-Jahren. Das Hoch lag Mitte der 90er-Jahre immerhin bei fast 30 Prozent. Unter den 18- bis 25-Jährigen liegt die Raucherquote bei rund 26 Prozent und ist ebenfalls seit Jahren rückläufig. Zum Vergleich: 1973 war der Anteil mit 63 Prozent noch mehr als doppelt so hoch.

„Das Rauchen gehört in Deutschland längst nicht mehr zum Lebensgefühl junger Menschen“, so die Drogenbeauftragte, die die Entwicklung kaum überraschend auf die Politik der Bundesregierung zurückführte. Dabei hat sich die Regierung gerade hier nicht mit Ruhm bekleckert. Zwar hat sie kürzlich die EU-Tabakrichtlinie übernommen, die ab Mai 2016 Schockfotos auf den Zigarettenpackungen vorschreibt. Noch immer ist jedoch Deutschland neben Bulgarien das einzige EU-Land, in dem weiterhin Plakatwerbung für Zigaretten erlaubt ist.

Erfreulich ist auch die Entwicklung beim Alkoholkonsum. Im vorigen Jahr hat jeder zehnte Jugendliche und jeder dritte junge Erwachsene einmal in der Woche und damit regelmäßig Alkoholgetrunken. In den 70er-Jahren betrug der Anteil noch 25 beziehungsweise 67 Prozent. Die Drogenbeauftragte Mortler und die Leiterin der Bundeszentrale, Heidrun Thaiss, warnten aber vor dem weiterhin verbreiteten Rauschtrinken. Bei den Männern zwischen 18 und 25 Jahren sind es fast 45 Prozent, die sich mindestens einmal im Monat gezielt betrinken, bei den Frauen ist es jede Dritte.

Harte illegale Drogen wie Crystal Meth, Heroin oder Crack spielen im Bundesdurchschnitt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen weiterhin nur eine geringe Rolle. Mortler warnte allerdings gerade bei Crystal Meth vor einer Fehlinterpretation der im bundesweiten Schnitt niedrigen Zahlen. Die extrem schnell abhängig machende Droge sei weiterhin vor allem in den Grenzregionen zu Tschechien verbreitet und dringe mittlerweile auch in die großen Städte vor.

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Die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge ist Cannabis. Jeder dritte junge Erwachsene und jeder zehnte Jugendliche hat Erfahrungen mit dem Kiffen. Bei beiden Gruppen sind die Werte leicht rückläufig, allerdings sind sie insgesamt deutlich höher als noch in den 70er-Jahren. Mortler nutzte die Gelegenheit, ihre Warnung vor einer Aufhebung des Verbots von Cannabis zu wiederholen: „Wer die vollumfängliche Legalisierung von Cannabis fordert, der sorgt dafür, dass noch mehr Jugendliche zum Joint greifen.“ Sie berief sich auf eine Studie über die Entwicklungen im US-Bundestaat Colorado, wo Cannabis seit 2014 legal ist. Dort sei der Anteil jugendlicher Kiffer um 39 Prozent höher als in anderen Bundesstaaten. Grüne und Linke hielten dagegen, Jugendschutz könne nicht durch das Strafrecht erreicht werden.

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