Schon die Kleinsten dürfen im Kindergarten der Martin-Luther-Gemeinde selbst entscheiden Wie Demokratie in der Kita funktioniert

Demokratie im Kindergarten, das ist gar nicht so einfach umzusetzen. Doch in der Kita Martin Luther haben selbst die Kleinsten schon ein Mitbestimmungsrecht. Zum Weltkindertag konnten Eltern und Interessierte herausfinden, wie das funktioniert.
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Von Katharina Hirsch

Demokratie im Kindergarten, das ist gar nicht so einfach umzusetzen. Doch in der Kita Martin Luther haben selbst die Kleinsten schon ein Mitbestimmungsrecht. Zum Weltkindertag konnten Eltern und Interessierte herausfinden, wie das funktioniert.

Demokratie. Das ist ein großes Wort, noch dazu für kleine Menschen. Doch in der Kita Martin Luther wird es benutzt. Was bedeutet das? Und wie funktioniert das? Noch dazu, wenn in dieser Kindertagesstätte das Inklusionskonzept gilt? Denn das heißt, dass geistig und körperlich beeinträchtigte Kinder mit normalentwickelten Jungen und Mädchen gemeinsam betreut werden. Der Anteil an Kindern mit erhöhtem Förderbedarf liegt bei 20 Prozent in jeder Gruppe. Seit August sind nun auch noch zehn unter Dreijährige (U3) dazugekommen. „Das ist eine deutliche Herausforderung für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen“, gesteht Kerstin Wührmann, Leiterin im Kindertagesheim.

Zum Weltkindertag unter dem Motto „Kinder haben Rechte auf eine eigene Meinung und Beteiligung“ am vergangenen Freitag konnten Eltern und Interessierte sich informieren, wie das alles funktioniert. Schon am Eingang der Kita durften die erwachsenen Besucher eine Wahl treffen – wollten sie Kaltgetränke oder Tee beim späteren Zusammensitzen trinken? Das half dem Organisationsteam am Tag der offenen Tür, die richtigen Getränke und Mengen bereitzustellen und ist ein erstes Beispiel, wie Selbstbestimmung in den Kita-Alltag integriert wird. Denn genau so erleben es auch schon die Kleinen und Kleinsten: Je nach Alter bekommen sie eine Auswahl mit zwei Alternativen gestellt oder können frei entscheiden, was sie trinken möchten. Sie erleben, dass sie etwas bewirken können.

Kinderkonferenz gibt es seit Jahren

Sehr viel weiter geht das Konzept der Kinderkonferenz, dass seit Jahren in den sechs Gruppen praktiziert wird. Einmal pro Woche wird eine solche demokratische Auswahlsitzung abgehalten. „Das fordern die Kinder mittlerweile auch ein“, weiß Erzieher Kai Bultmann. Im Verlauf der Woche können sie Ideen sammeln, was sie unternehmen möchten: In den Park gehen und Gummistiefelweitwurf machen? Oder vielleicht doch lieber zum Mond fliegen? Nicht alle Vorschläge sind realisierbar, doch alle haben die Chance, diskutiert zu werden. Und zwar von den Drei- bis Sechsjährigen. Die Erzieher fungieren lediglich im Notfall als Moderatoren, die Diskussionsleitung übernehmen die Kleinen.

„Manchmal ist es für mich als Erwachsene schwer auszuhalten, wenn die Kinder am diskutieren sind, nicht einzugreifen“, verrät die Neustädterin Rebecca Hoppe. Doch die Kinder sollen lernen, möglichst selbstständig zu realistischen Gemeinschaftslösungen zu kommen. Eine Forderung, die oft Schwierigkeiten bereitet, wenn die eigenen Wünsche und Meinungen von denen der Gruppe abweichen.

„Die Kinder müssen lernen auszuhalten, wenn es nicht nach ihrem Willen geht“, bestätigt der Neustädter Bultmann. „Das geht auch mit Zähneknirschen und Tränen einher.“ Doch letztlich fänden die Jungen und Mädchen immer eine Lösung, wie auch Minderheiten gehört würden und sich dann der Gemeinschaft anschließen könnten. Manchmal reicht es schon, wenn ein Kind ein anders gesinntes Kind tröstet. Und gelegentlich muss die Konferenz am nächsten Tag fortgeführt werden.

Die U3-Kinder werden aus den zeitversetzten Entscheidungsprozessen ausgenommen. Doch auch für diese Altersgruppe lernen die Erwachsenen, wie sie mit den kleinen Sprachanfängern möglichst verständlich für beide Seiten kommunizieren können. Statt zum Beispiel mit Symbolen und einfachen Zeichnungen zu arbeiten, wie das auch bei Dreijährigen schon möglich ist, dienen beispielsweise konkrete Fotos als Auswahlmedium. Es sind einfach nur unterschiedliche, altersangemessene Varianten der Kommunikation, durch die sich alle Kinder – ihren Fähigkeiten entsprechend – an den Alltags- und Entscheidungsstrukturen in der Kindertagesstätte auf demokratische Weise beteiligen können.

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