Auswirkungen des CO2-Preises

Energiekosten mit Sozialausgleich

Untere Einkommensgruppen profitieren, höhere zahlen drauf. Diese Verteilungswirkung des neuen Kohlendioxid-Preises hat das Öko-Institut ermittelt.
12.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Hannes Koch

Als „sozial ausgewogen“ bezeichnet das Öko-Institut die Wirkung der zusätzlichen Energiekosten ab Anfang diesen Jahres. Die Experten, die oftmals kritisch zur ­Regierungspolitik stehen, haben die Effekte des neuen Kohlendioxid-Preises für unterschiedliche Einkommensgruppen berechnet. „Haushalte mit geringerem Einkommen werden im Durchschnitt begünstigt“, sagte ­Institutsmitarbeiterin Katja Schumacher.

Ab 1. Januar stiegen beispielsweise die Preise für Benzin um etwa sieben Cent pro Liter, für Heizöl um ungefähr acht Cent. Die Ursache: Für jede Tonne Kohlendioxid-Ausstoß müssen Tankstellen und Energiehändler nun Emissionszertifikate nachweisen. Deren Kosten stellen sie den Konsumenten anteilig in Rechnung. Bundesregierung und Bundesrat haben den neuen Kohlendioxid-(CO2)-Preis 2020 beschlossen, um die klimaschädlichen Abgase zu verringern. Während diese Ausgaben hinzukommen, sinkt aber gleichzeitig die Umlage für Ökostrom, die die Privathaushalte und die meisten Firmen mit ihrer Stromrechnung be-­zahlen.

Wer zur Bevölkerungsgruppe der zehn Prozent Bundesbürger mit den niedrigsten Einkommen gehört, hat laut Öko-Institut durchschnittlich eine Zusatzbelastung durch den CO2-Preis von gut 50 Euro pro Jahr und Haushalt. Dagegen steht eine Entlastung wegen der niedrigeren EEG-Umlage von etwa 80 Euro. Ähnlich sieht es bei der zweituntersten Gruppe aus. In den nächsthöheren Gruppen halten sich Kosten und Entlastung ungefähr die Waage. In der oberen Einkommenshälfte überwiegen dagegen die Belastungen. Die reichsten zehn Prozent zahlen durchschnittlich etwa 40 Euro drauf. Dort machen sich der höhere Verbrauch von Benzin in großen Fahrzeugen und Heizwärme in großen Häusern bemerkbar.

Freilich gilt die Berechnung unter einer ­Voraussetzung. Das Fazit „sozial ausgewogen“ trifft zu im Vergleich zu dem, was 2021 sonst passiert wäre. Denn eigentlich hätte die EEG-Umlage in diesem Jahr von 6,8 auf 9,7 Cent pro Kilowattstunde Strom stark steigen müssen – eine Folge unter anderem der schwachen Elektrizitätsnachfrage wegen der Pandemie. Das hat die Bundesregierung allerdings verhindert, indem sie rund elf Milliarden Euro aus ihrem Haushalt spendierte. Die verhinderte Erhöhung der EEG-Umlage hat das Öko-Institut als Entlastung der Bürger in die Berechnung einbezogen.

Wenn man diesen Effekt jedoch ausklammert und nur die tatsächlichen Energiekosten vergleicht, die die Verbraucher 2020 entrichteten und 2021 entrichten werden, verändert sich das Bild. Denn im Vergleich zu 2020 sinkt die EEG-Umlage in diesem Jahr nur leicht, von 6,8 auf 6,5 Cent. Wenn man diese kleine, tatsächliche Senkung dem ­erhöhten CO2-Preis gegenüberstellt, zahlen die Privathaushalte und die meisten Unternehmen insgesamt deutlich drauf. Auch die soziale Wirkung verändert sich dann ins Gegenteil. Gerade Haushalte mit geringen Verdiensten, bei denen sich die EEG-Umlage relativ zum Einkommen besonders bemerkbar macht, verzeichnen höhere Kosten. Um diesen Effekt zu neutralisieren, plädiert das Öko-Institut unter anderem dafür, die ­Vermieter an den höheren Heizkosten zu beteiligen.

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