Bremen Wie in den USA Flüchtlinge Arbeit bekommen

Bremen. Allie Levinsky glaubt an den amerikanischen Traum. An die Idee, dass jeder, egal woher er oder sie kommt, in den Vereinigten Staaten von Amerika – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – den persönlichen Lebenstraum verwirklichen kann.
28.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Wie in den USA Flüchtlinge Arbeit bekommen
Von Carolin Henkenberens

Bremen. Allie Levinsky glaubt an den amerikanischen Traum. An die Idee, dass jeder, egal woher er oder sie kommt, in den Vereinigten Staaten von Amerika – dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten – den persönlichen Lebenstraum verwirklichen kann. „Das Narrativ vieler Einwanderer ist, dass es ihre Kinder mal besser haben werden, sie selbst ihre Träume aber nicht mehr erreichen können“, sagt sie. „Wir hingegen sagen: Man muss nicht warten. Auch die erste Generation kann ihre Wünsche wahr werden lassen.“ Wir, damit meint Levinsky die US-Organisation „Upwardly Global“ (zu deutsch: weltweit nach oben). Die Nichtregierungsorganisation (NGO) hilft Einwanderern und Flüchtlingen mit Hochschulabschluss in den USA, einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden. 1,8 Millionen hochqualifizierte Migranten sind in den USA Upwardly Global zufolge arbeitslos oder haben einen Job weit unterhalb ihrer Fähigkeiten. In dieser Woche hat Levinsky einen Workshop in Bremen gegeben, an dem Mitglieder des Bremer Rates für Integration teilgenommen haben. Man wollte sich informieren, wie die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt woanders funktioniert, schildert die Vorsitzende des Integrationsrates, Libuse Cerná.

In den USA sollen Flüchtlinge schon nach einer dreimonatigen Eingewöhnungsphase arbeiten, nach weiteren acht Monaten erhalten sie keine staatliche Unterstützung mehr. „Dieser sogenannte Job zum Überleben ist erst einmal wichtig“, sagt Levinsky, die Programmdirektorin für Chicago und Detroit. Damit Ärzte oder Ingenieure aber nicht auf Dauer Geschirr spülen oder Taxi fahren, bietet Upwardly Global ihnen Bewerbungscoaching an und stellt Kontakte zu Unternehmen her. Die Organisation arbeitet dabei mit Ehrenamtlichen zusammen, die in einem Unternehmen angestellt sind und als Vermittler zwischen Chef und Upwardly Global fungieren. Die NGO organisiert in der Firma eine Veranstaltung, bei der sich Personaler und migrantische Jobbewerber kennenlernen können. „Einwanderer wissen oft nicht Bescheid über die Strukturen, wie zum Beispiel eine Bewerbung bei uns abläuft oder wie die Jobkultur ist.“

Der Ansatz der Organisation: Allein aus Gründen sozialer Gerechtigkeit oder Mitleid stellt kein Arbeitgeber einen Einwanderer oder Flüchtling ein, das sollten sie auch nicht. „Wir machen den Personalern klar, dass die Bewerber ein Gewinn für das Unternehmen sind, weil sie interkulturelle Erfahrungen haben und super ausgebildet sind“, erklärt Levinsky. Unternehmer könne man am besten überzeugen mit Zahlen und Statistiken, die den wirtschaftlichen Gewinn belegen. Die Kosten, die die Seminare und die bürokratische Vorarbeit verursachen, zahlten sich aus. Eine Befragung von 561 erfolgreich vermittelten Einwanderern und Flüchtlingen ergab: Das summierte Einkommen aller war nach der Programmteilnahme neunmal so hoch wie davor. Über die Einnahmen durch die Einkommenssteuer und die höhere Kaufkraft profitiere der Staat, die von der Organisation verursachten Kosten kämen dreifach wieder herein.

Auf Deutschland übertragbar sind die Konzepte der US-Organisation jedoch nicht ohne Weiteres. Die Sprachbarriere ist hierzulande eine andere, ebenso ist die Anerkennung von Abschlüssen schwieriger als in den USA. Welche Ideen also nimmt der Bremer Rat für Integration mit? Das Online-Portal, in das sich die Seminarteilnehmer einloggen und von dem sie Informationen abrufen können, finde man interessant, sagt Libuse Cerná. Aber so etwas sei teuer. Die US-NGO werde von privaten Spendern unterstützt. „Dieses Geld haben wir nicht“, sagt Černá. Dennoch findet sie den Austausch mit dem Ausland wichtig. „Wie sagt man so schön: Wir bleiben in Kontakt.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+