NSU-Prozess Wohlleben bestreitet Beschaffung der Mordwaffe

Im Münchner NSU-Prozess hat der Mitangeklagte Ralf Wohlleben versucht, die Anklagevorwürfe weiter zu entkräften.
14.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wiebke Ramm

Im Münchner NSU-Prozess hat der Mitangeklagte Ralf Wohlleben versucht, die Anklagevorwürfe weiter zu entkräften.

Er erklärte am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München, von den Morden nichts gewusst zu haben. Auch die Ceska-Pistole, mit der die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos neun Menschen erschossen haben, habe er den mutmaßlichen NSU-Terroristen auch nicht besorgt. Wohlleben ist wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen angeklagt.

Laut Anklage soll er Carsten S. den Auftrag erteilt haben, für die Untergetauchten eine Waffe zu beschaffen. Wohlleben widersprach dieser Darstellung. Der frühere NPD-Funktionär antwortete frei, spontan und wohl überlegt. Häufig sagte er, dass er sich an Details nicht erinnere. So wisse er zwar, dass er Beate Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos nach ihrem Untertauchen im Januar 1998 dreimal besucht habe. Worüber sie gesprochen haben oder ob und was er ihnen gebracht habe, das wisse er jedoch nicht mehr, betonte er.

Dass Böhnhardt ihn eines Tages am Telefon um eine Waffe gebeten habe, hat Wohlleben allerdings nicht vergessen. Böhnhardt soll ihm gesagt haben, dass er sich im Fall einer drohenden Festnahme erschießen werde. Böhnhardt habe Wohlleben deshalb um eine Pistole gebeten, ein deutsches Fabrikat sollte es sein. Vor Gericht erklärte Wohlleben, er habe seinem Freund nur vorgegaukelt, sich um eine Pistole kümmern zu wollen. Tatsächlich habe er es nie getan, weil er einem Freund nicht ermöglichen wollte, sich das Leben zu nehmen.

Irgendwann – den Zeitpunkt konnte Wohlleben nicht benennen – habe dann Carsten S. plötzlich mit einer Waffe samt Schalldämpfer vor Wohllebens Tür gestanden. Im Esszimmer hätten sie sich die Waffe angeschaut. Beide seien überrascht gewesen, dass bei der Pistole ein Schalldämpfer dabei gewesen sei. Wohlleben bestätigte die Aussage von Carsten S., dass Böhnhardt jedenfalls keinen bestellt habe. S. und Wohlleben hätten den Schalldämpfer als „Gimmick“, als überraschende Zugabe zur Waffe verstanden. Carsten S. habe beides dann zu den Dreien nach Chemnitz gebracht. Kurz darauf hätten sich die Uwes beschwert: „Die Waffe ist Schrott.“ Sie hätten sich aufgeregt, dass die Waffe gar nicht funktionierte, sagte Wohlleben.

Vor Gericht erwähnte Wohlleben erneut einen ominösen Glatzkopf, der ihn in Chemnitz einmal zum Versteck der mutmaßlichen NSU-Terroristen gebracht habe. Wer dieser Mann war, wisse er bis heute nicht. Über Zschäpe sagte er auch an diesem Tag wenig. Er habe sie als „ehrlich“, „offen“, „direkt“ und „schlagfertig“ erlebt. Kam ihr jemand dumm, habe sie sich zu wehren gewusst, so Wohlleben. Böhnhardt habe schon vor dem Untertauchen einen „Waffentick“ gehabt. Aber eine scharfe Waffe will er nie bei ihm gesehen haben. Scharfe Waffen und Sprengstoff seien nie ein Thema gewesen.

Böhnhardt und Mundlos haben sich im November 2011 das Leben genommen. Zschäpe gilt als einzige Überlebende des NSU. Sie muss sich vor Gericht wegen Mittäterschaft an zehn Morden, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen verantworten.

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