Kommentar zum Kükentöten Zeitspiel

Das Töten von männlichen Küken bleibt vorerst erlaubt. Jetzt ist die Bundeslandwirtschaftsministerin gefordert, dafür zu sorgen, dass alternative Methoden möglichst schnell angewendet werden, fordert Marc Hagedorn.
13.06.2019, 11:40
Lesedauer: 1 Min
Zur Merkliste
Zeitspiel
Von Marc Hagedorn

Man kann nicht behaupten, dass Julia Klöckner in diesen Tagen ein gutes Gespür für das richtige Timing ihrer Auftritte hat. Vor wenigen Tagen erst ist ihr ein Video um die Ohren geflogen, in dem sie, die Bundeslandwirtschaftsministerin, mit einem Nestlé-Manager zu sehen ist, weil das Filmchen wie ein Werbeclip für den Nahrungsmittelkonzern wirkte.

Wenige Stunden vor der Urteilsverkündung zur Frage, ob männliche Küken gleich nach der Geburt getötet werden dürfen, hatte Klöckner in der „Rheinischen Post“ nun gefordert, das Töten zu verbieten, es sei ethisch nicht vertretbar. Das Bundesverwaltungsgericht hat kurz darauf aber anders entschieden. Wieder ist Klöckner angeschmiert.

Allerdings hat das Gericht eine Art Nachspielzeit ausgerufen. Denn: Wenn Alternativen zum Kükentöten ausgereift sind, müssen diese Maßnahmen zum Einsatz kommen. Etwa die frühzeitige Geschlechtsbestimmung mittels Infrarot oder anhand von Flüssigkeitsproben aus dem Ei.

Die Bundesregierung hat bereits ein paar Millionen Euro in die Forschung investiert, flächendeckend zur Anwendung kommen Alternativmethoden aber noch nicht. Dafür wird es nun aber Zeit. Es ist die Aufgabe der Landwirtschaftsministerin, dafür zu sorgen, dass die Unternehmen schnell handeln.

Lesen Sie auch

Bisher hat Klöckner selten überzeugt, wenn es darum ging, Druck auf Akteure auszuüben, die – wie Lebensmittelkonzerne - eine starke Lobby besitzen. Klöckner setzt gern auf Freiwilligkeit und Selbstverpflichtungen. Wenn sie diesen Schmusekurs beibehält, werden in den nächsten Jahren noch viele Millionen Küken sterben.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+