NPD-Politiker sagt im NSU-Prozess aus Zeuge mit Gedächtnislücken

München. David Petereit täuscht seine Erinnerungslücken nur vor, meint Nebenklagevertreter Alexander Hoffmann. Eine gemeine Unterstellung, findet Verteidiger Olaf Klemke.
14.07.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Wiebke Ramm

München. David Petereit täuscht seine Erinnerungslücken nur vor, meint Nebenklagevertreter Alexander Hoffmann. Eine gemeine Unterstellung, findet Verteidiger Olaf Klemke. Je länger die Verhandlung an diesem 297. Tag im NSU-Prozess geht, umso heftiger wird um die Zulässigkeit von Fragen an den Zeugen gestritten. Tatsächlich ist die Gedächtnisleistung des Zeugen Petereits, die er am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München präsentiert, nicht sehr ausgeprägt. Der NPD-Politiker Petereit lässt wenig Zweifel daran, dass er Besseres zu tun habe, als in diesem Prozess als Zeuge auszusagen. „Das hier ist für Sie wahrscheilich total wichtig„, sagt der 35-Jährige. „Aber was glauben Sie, was ich den ganzen Tag mache?“

Spätestens 2002 war Petereit Herausgeber des rechten Szeneblatts „Der weiße Wolf“. Heute ist er Landtagsabgeordneter der NPD in Mecklenburg-Vorpommern. Petereits Problem: Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im Mai 2012 in seiner Wohnung in Rostock einen Brief des NSU gefunden. Er soll aus dem Jahr 2002 stammen. Vier Morde und zwei Bombenanschläge hatten die Neonazis zum damaligen Zeitpunkt bereits verübt.

Dass ihm der NSU-Brief untergejubelt worden ist, behauptet Petereit an diesem Tag vor Gericht so explizit nicht. Doch offenkundig will der NPD-Abgeordnete genau diesen Eindruck erwecken. Petereit sagt, dass er den Brief ganz bestimmt nicht aufgehoben hätte, wäre ihm dessen Existenz bekannt gewesen.

In dem Schreiben werben die Neonazis um Unterstützung in der rechten Szene. Außerdem sollen ihm 500 Euro beigelegen haben. Im Kleingedruckten des Briefes heißt es, der Empfänger „darf den Brief und die Spende einbehalten und für seine Zwecke nutzen“. Aber Petereit will sich weder an den Brief noch an eine Geldspende erinnern. Allerdings gibt es einen Dankesgruß an den NSU in einer Ausgabe seines „Weißen Wolfs“ von September 2002. „Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen ;-) Der Kampf geht weiter...", heißt es dort auf Seite zwei.

Petereit erinnert sich nicht daran, sagt aber: „Ich gehe davon aus, dass ich das alles reingesetzt habe." Vom NSU will er aber erstmals im November 2011 nach dem Auffliegen der mutmaßlichen Neonazi-Terrorzelle gehört haben. Er kenne weder Zschäpe noch Mundlos oder Böhnhardt. Aber den Zwillingsbruder des Angeklagten Andre E., den kennt er. Er sei sich auch „ziemlich sicher“, dass er auch den Angeklagten Ralf Wohlleben irgendwo einmal getroffen habe. Bei seiner Vernehmung hatte er noch behauptet, Wohlleben nur „aus Funk und Fernsehen“ zu kennen. Petereit meint nun, er habe Wohlleben um die Jahrtausendwende herum getroffen. Er habe ein „sehr schlechtes Namens- und Gesichtergedächtnis", sagt Petereit – „nicht nur vor Gericht, falls Sie diesen Eindruck haben".

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+