Kommentar über Greta Thunberg

Zielstrebig und beharrlich

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat eine Jugendbewegung angestoßen. Sie fragt nicht, sie fordert. Dafür schlägt ihr viel Hass entgegen. Dabei, findet Lisa-Maria Röhling, hat Greta Thunberg Respekt verdient.
01.03.2019, 22:15
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Zielstrebig und beharrlich
Von Lisa-Maria Röhling
Zielstrebig und beharrlich

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg kämoft

Daniel Reinhardt / dpa

Sie ist 16, zielstrebig und attackiert furchtlos Politiker und Wirtschaftsbosse: Die schwedische Klimaaktivistin hat geschafft, woran sich Vereine, Parteien und gemeinnützige Organisationen seit Jahren die Zähne ausbeißen – sie hat Jugendliche weltweit vereint und mit einem gemeinsamen Ziel auf die Straße gebracht. Greta Thunberg fragt nicht, sie fordert.

Sie bittet nicht, sie klagt an. Sie rennt nicht hinterher, sie geht voran. „Nachdem ihr auf meine Zukunft scheißt, scheiße ich auch darauf“, begründete sie 2018 auf einem selbst gebastelten Flyer ihren ersten „Schulstreik fürs Klima“. Sie ist ein Idol, eine Galionsfigur der Jugendbewegung, die die Welt dringend braucht. Doch die junge Schwedin hat mit ihrem Einsatz gegen den Klimawandel nicht nur eine Jugendbewegung begründet, sie hat auch zahlreiche Kritiker gegen sich aufgebracht: Sie und ihre Anhänger missachteten die Schulpflicht, schimpfen die einen.

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Das Mädchen werde von ihren Eltern und Klimaschutzorganisationen für deren Zwecke instrumentalisiert, ätzen die anderen. Häme, Hass und Hohn fegen in sozialen Netzwerken über sie hinweg: Altklug, verhaltensgestört, solche Adjektive werden benutzt, um Greta Thunberg zu beschreiben.

Doch sie bleibt standhaft, fast stoisch. Sie trägt weiterhin Skihosen und Flechtzöpfe, wo andere Anzüge tragen. Sie fährt weiterhin mit dem Zug auf Strecken, für die an­dere sofort ins Flugzeug steigen würden. Dass sie das Asperger-Syndrom hat, verbirgt sie nicht.

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Mit dieser authentischen Art macht sie jungen Menschen Mut. Greta Thunberg hat ge­zeigt, dass jeder sich für seine Belange einsetzen kann, unabhängig von Geschlecht, Auftreten, Herkunft oder Alter. Dafür kann sie auch mal ein paar Stunden Unterricht sausen lassen.

Sie hat Respekt verdient. „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“, stellte der römische Philosoph ­Seneca vor knapp 2000 Jahren fest. Greta Thunberg schwänzt jeden Freitag die Schule und setzt sich für das Leben ein. Sie will nichts weniger, als den Planeten retten, ihre Zukunft sichern, die Alten aufwecken. In Zeiten der anonymen Hasstiraden im Internet setzt sie ein mutiges, richtungsweisendes Zeichen für den Fortschritt. Klar, zielstrebig und beharrlich.

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