Hauptangeklagte im NSU-Prozess gibt konkrete Antworten Zschäpe nennt Namen

München. Beate Zschäpe nennt Namen und Details. Richter Manfred Götzl bekommt an diesem 257.
22.01.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Wiebke Ramm

Beate Zschäpe nennt Namen und Details. Richter Manfred Götzl bekommt an diesem 257. Verhandlungstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München konkrete Antworten auf konkrete Fragen. Die Hauptangeklagte verharrt am Donnerstag nicht länger im Vagen, wie sie es noch bei ihrer Einlassung am 9. Dezember 2015 getan hatte. Zschäpe bleibt aber bei ihrer Version, dass sie mit den Morden der rechtsextremen Terrorzelle nichts zu tun gehabt habe.

Diesmal ist es Zschäpes Wahlverteidiger Hermann Borchert, der in ihrem Namen die vorbereiteten Antworten vorliest. Eine knappe Stunde lang trägt er den Text vor. Die Reaktionen im Saal sind gänzlich andere als damals, als ihr jüngster Pflichtverteidiger Mathias Grasel ihre Einlassung vorgelesen hatte, die in den Ohren der meisten Zuhörer weitgehend substanzlos war. Nun ist still im Saal. Höhnisches Lachen bleibt dieses Mal aus.

So lässt Zschäpe ihren Anwalt überraschend vortragen, dass Jan W., ehemaliger Anführer der militanten Chemnitzer Neonazi-Gruppe „Blood and Honour“, den mutmaßlichen NSU-Terroristen eine Waffe mit Schalldämpfer geliefert haben soll. Sie meine sich zu erinnern, dass Uwe Böhnhardt ihr das so gesagt habe. Ralf Wohlleben dürfte dies gefallen. Auch er ist bemüht, Zweifel daran zu sähen, was die Anklage ihm vorwirft. Dass nämlich er mit dem Mitangeklagten Carsten S. die Ceska-Pistole mit Schalldämpfer besorgt hat, mit der Böhnhardt und Uwe Mundlos neun Menschen griechischer und türkischer Herkunft erschossen haben. W. hatte von seinem Recht Gebrauch gemacht, sich nicht selbst belasten zu müssen – er schwieg.

Und Zschäpe nennt sieben Namen von Personen, die sie und die beiden Männer im Untergrund unterstützt hätten. Sie belastet dabei auch den Mitangeklagten André E. Er ist der Einzige, der sich nicht zu den Anklagevorwürfen äußert. Zschäpe nimmt darauf keine Rücksicht, sie bestätigt die Anklage gegen ihn. Er habe mit seiner Frau und den Kindern bis zuletzt Kontakt zu Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos gehabt. Seine Frau sei ihre Freundin gewesen, lässt sie vortragen. André E. habe ihr auch am 4. November 2011 geholfen. An dem Tag will Zschäpe aus dem Radio vom Tod ihrer Lebensgefährten erfahren haben. E. habe sie abgeholt und sei mit ihr in seine Wohnung gefahren. Danach sei Zschäpe mit dem Zug durch Nord- und Ostdeutschland geirrt. Sie sei unter anderem in Bremen, Hannover, Leipzig und Halle gewesen. Sie habe vier Tage „quasi nicht geschlafen“. Am 8. November 2011 stellte sie sich in Jena schließlich der Polizei.

Zschäpe deutet an, ein Alkoholproblem gehabt zu haben. Sie habe regelmäßig flaschenweise Sekt getrunken. Bis zu zwei bis drei Flaschen am Tag. An manchen Tagen dann wieder gar nichts. Sie habe heimlich getrunken, weil Mundlos und Böhnhardt gegen Alkohol gewesen seien. Auch am Vormittag des 4. November habe sie eine Flasche Sekt getrunken.

In den Antworten heißt es erneut, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten die zehn Morde an Migranten und einer Polizistin, die dem NSU zur Last gelegt werden, ohne Zschäpes Wissen und ohne ihre Zustimmung verübt. Sie will davon – wie auch von dem Bombenanschlag in Köln – immer erst im Nachhinein erfahren haben.

Zschäpe lässt erneut erklären, sie habe sich der Polizei stellen wollen, wenn Böhnhardt und Mundlos – wie zwischenzeitlich geplant – nach Südafrika ausgewandert wären. Sie habe sich deswegen mit einem – mittlerweile verstorbenen – Anwalt getroffen. Doch Mundlos und Böhnhardt sind nicht ausgewandert. Warum, das lässt Zschäpe nicht mitteilen.

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