Barmer-Pflegereport 2017 Zu wenige Plätze für Pflegebedürftige unter 60

Für junge Pflegebedürftige gibt es zu wenige Betreuungsplätze in Deutschland - das ist das Ergebnis des Pflegereports 2017 der Barmer-Krankenkasse.
09.11.2017, 22:21
Lesedauer: 2 Min
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Von Ruppert Mayr und Tim Szent-Ivanyi

Das Betreuungsangebot für junge Pflegebedürftige reicht bei Weitem nicht aus. Für sie fehlen in Deutschland Tausende Betreuungsplätze. Das geht aus dem Pflegereport 2017 der gesetzlichen Krankenkasse Barmer hervor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Junge Pflegebedürftige – gemeint sind hier Menschen vom Kindesalter bis zum 60. Lebensjahr – könnten deshalb häufig nicht so wohnen, wie sie es bevorzugen würden. „Für junge Pflegebedürftige geht das Angebot an geeigneten Pflegeplätzen an deren Bedürfnissen vorbei. Wunsch und Wirklichkeit klaffen häufig auseinander“, sagte Barmer-Chef Christoph Straub.

Die Situation der jungen Pflegebedürftigen, die Unterstützung im Alltag brauchen, müsse kurzfristig verbessert werden. Hier seien Politik, Pflegekassen und Leistungserbringer gleichermaßen gefragt, forderte Straub. Nach einer Barmer-Umfrage fehlen in diesem Bereich etwa 4000 teilstationäre und rund 3400 Kurzzeitpflegeplätze. Ende 2015 waren den Angaben zufolge etwa 13,5 Prozent der knapp 2,9 Millionen Pflegebedürftigen jünger als 60 Jahre – rund 386.000 Menschen in ganz Deutschland.

Viele junge Pflegebedürftige haben Lähmungen oder Epilepsie

Gerade für pflegebedürftige Kinder und junge Erwachsene bleibe der Wunsch nach einem selbstbestimmten Wohnen häufig unerfüllt. Wie die Befragung von mehr als 1700 Versicherten ergab, würden gerne 35 Prozent der 10- bis 29-Jährigen in eine Wohngruppe ziehen. Jedoch gab etwa jeder zweite Pflegebedürftige in dieser Altersklasse an, dass sich sein Wechsel in eine Wohngruppe, aber auch in ein Pflege- oder Behindertenheim, deswegen zerschlagen habe, weil kein Platz in der Einrichtung vorhanden sei.

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Junge Pflegebedürftige haben andere Krankheitsbilder als ältere und leiden selten an Demenz oder den Folgen von Schlaganfällen. Nach der Analyse des Reports haben 35 Prozent Lähmungen, 32 Prozent Intelligenzminderungen, 24 Prozent eine Epilepsie und zehn Prozent das Down-Syndrom.

Vor allem bei der Kurzzeitpflege gibt es dem Report zufolge massive Versorgungslücken. So nutzen derzeit neun Prozent der jungen Pflegebedürftigen mindestens einmal im Jahr die Kurzzeitpflege. Tatsächlich aber würden gerne 19 Prozent auf dieses Angebot zugreifen. Defizite gibt es auch bei der Tagespflege, die lediglich 13 Prozent in Anspruch nehmen, wobei 20 Prozent den Wunsch danach hegen. Für 31 beziehungsweise 27 Prozent der betroffenen Befragten waren keine Angebote für die eigene Erkrankung vorhanden.

Massive Unterschiede auf Länderebene

Der Gesamteigenanteil für Heimbewohner liegt laut Pflegereport im Durchschnitt bei monatlich 1691 Euro. Dabei sei die Streuung beachtlich. Für ein Viertel der Einrichtungen liege er unter 1286 Euro, bei einem weiteren Viertel dagegen bei über 2053 Euro und für ein Prozent der Einrichtungen sogar bei über 3000 Euro.

Wichtigster Grund sind die Personalkosten. So verdient eine Pflegefachkraft in Nordrhein-Westfalen im Schnitt brutto 2692 Euro im Monat, in Bremen laut Arbeitnehmerkammer 2366 Euro, in Niedersachsen 2209 und in Sachsen-Anhalt 1743 Euro. Hinzu kommt, dass jedes Land eigene Vorgaben macht, wie viel Personal ein Heim haben muss.

Auch auf Länderebene gibt es massive Unterschiede. Am tiefsten in die eigene Tasche greifen müssen nach der Auswertung der Daten von über 11.000 vollstationären Einrichtungen die Pflegebedürftigen in Nordrhein-Westfalen. Dort kostet ein Heimplatz im Schnitt 2252 Euro im Monat. Im Mittelfeld liegen unter anderem Berlin (1802 Euro) und Bremen (1725 Euro) – in Niedersachsen sind es 1321 Euro. Am billigsten ist ein Heimplatz in Sachsen-Anhalt (1107 Euro).

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